Lebendige Verbandsdemokratie – Voraussetzung für Zusammenhalt, Entwicklung und Fortschritt

Lebendige Verbandsdemokratie – Voraussetzung für Zusammenhalt, Entwicklung und Fortschritt

Im Unterschied zu vielen Vereins- und Verbandsversammlungen, an denen Wahlen und Beschlüsse diskussionslos ‚durchgewunken‘ werden, hatten die Stimmenzähler an der Delegiertenversammlung der Naturfreunde Schweiz (siehe Seite 36) viel Arbeit. Zahlreichen Entscheidungen gingen angeregte Diskussionen voraus. Kontroverse Positionen wurden engagiert vertreten, auf kritische Fragen zu Recht klare Antworten gefordert. Immer wieder mussten JA- und NEIN-Stimmen sowie Enthaltungen ausgezählt werden. Diese Erfahrung halte ich für genauso wichtig und wertvoll wie die mit klaren Mehrheiten gefassten Beschlüsse. Wichtiges Qualitätsmerkmal unserer Entscheidungen ist die Tatsache, dass diese nicht leichtfertig, sondern in Kenntnis der Fakten, unter Abwägen von Vor- und Nachteilen gefasst wurden.

Zwei unverzichtbare Voraussetzungen für eine funktionierende Verbandsdemokratie müssen wir uns immer wieder in Erinnerung rufen:

  • Genauso wie in der Politik braucht es gegenseitigen Respekt, Offenheit, Vertrauen, Toleranz sowie Verständnis für unterschiedliche Meinungen und Überzeugungen. Weil sich die Naturfreundinnen und Naturfreunde genau diese Werte als Leitideen für unser Handeln auf die Fahne geschrieben haben, sind unsere Chancen intakt, auch anspruchsvolle Auseinandersetzungen konstruktiv auszutragen.
  • Nur mit Transparenz, umfassender und verständlicher Information wird das erforderliche Vertrauen gesichert und nur so kann sich die persönliche Meinungsbildung auf die notwendigen Entscheidungsgrundlagen stützen. Informationspflicht ist jedoch keine Einbahnstrasse. Information besteht immer aus Hol- und Bringschuld. Alle Beteiligten müssen Verantwortung übernehmen, damit die wichtigen Fragen so rechtzeitig gestellt werden, dass die Antworten zeitgerecht vorbereitet und kommuniziert werden können.

In Gemeinden, Kantonen und auf Bundesebene ist die demokratische Meinungsbildung, sind offene Auseinandersetzungen über unterschiedliche Meinungen und Auffassungen sowie Weichenstellungen im Rahmen von Abstimmungen unverzichtbare Voraussetzungen für gesellschaftlichen Zusammenhalt und die Weiterentwicklung unserer Gemeinschaft.

Dies gilt ohne Einschränkung auch für demokratisch organisierte Organisationen wie die Naturfreundebewegung. Die Stärkung des inneren Zusammenhalts, breit abgestützte und von klaren Mehrheiten akzeptierte Entwicklungsschritte bilden Fundament und Voraussetzung für tragfähige Lösungen im Interesse einer erfolgreichen Zukunft.

Urs Wüthrich-Pelloli
Präsident Naturfreunde Schweiz NFS

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