Veranstaltungstipps

Im Wald

Eine schöne und sehr spannende Ausstellung ist noch bis am 17. Juli 2022 im Schweizerischen Landesmuseum in Zürich zu sehen. Sie thematisiert die wechselvolle Beziehung, die die Menschheit mit dem Wald pflegt.

Robert Zünd malt den Eichenwald mehrmals fast identisch. Durch seinen akribischen Malstil nimmt er eine besondere Position in der Schweizer Landschaftsmalerei ein. © Kunstmuseum Luzern, Foto: Roberto Pellegrini

Heute ist der Wald ein Ort, der von den Menschen geschätzt und teilweise auch geschützt wird. Doch das war nicht immer so. Bis ins 19. Jahrhundert war der Wald auch aufgrund der zunehmenden Industrialisierung geplündert und stellenweise zerstört worden, bis ab 1855 die ersten Forstingenieure in der Schweiz langsam ein Umdenken einleiten konnten.

Die Ausstellung im Landesmuseum zeigt die kulturgeschichtliche Beziehung der Menschen zum Wald anhand der Geschichte der Waldnutzung, dem Thema Wald in der Kunstgeschichte und in der Literatur sowie den Schützerinnen und Schützern der Wälder. Nebenbei erfährt man auch noch Allerlei über Botanik, über die allerersten Wälder der Erdgeschichte und lernt die 30 häufigsten Bäume der Welt kennen.

Die Geschichte der Waldnutzung beginnt bereits in der Jungsteinzeit, doch erst ab dem Mittelalter begannen die Menschen, Wälder grossflächig zu roden. Holzhandel war in der Schweiz Ende des 18. Jahrhunderts ein beträchtlicher Wirtschaftsfaktor und machte einen Drittel des gesamten Aussenhandels aus.

Blick in die Ausstellung Foto: Schweizerisches Nationalmuseum
Klaus Littmann, Arena für einen Baum. Foto: Aviaticfilms, Courtesy of the KBH.G Cultural Foundation
Blick in die Ausstellung Foto: Schweizerisches Nationalmuseum
Blick in die Ausstellung Foto: Schweizerisches Nationalmuseum

Wälder und die Natur allgemein erhielten in der Kunst ab der Epoche der Romantik eine grosse Bedeutung. In der Zeit der beginnenden Industrialisierung wurde die Natur zum Rückzugsort für die Menschen und von der Kunst in einer mystischen Manier dargestellt. In der Ausstellung sind Exponate aus allen Epochen von der Romantik bis Gegenwart zu sehen, es werden Schriftsteller vorgestellt, die sich mit der Natur auseinandergesetzt haben, wie etwa Jean-Jacques Rousseau und Joseph von Eichendorff, und es gibt Wald-Kurzgeschichten zeitgenössischer Literaturschaffender zu hören.

Der dritte Teil der Ausstellung widmet sich dem Schutz der Wälder und den Exponentinnen und Exponenten von Naturschutzbewegungen. Dabei erfährt man Interessantes über die Gründung des Weltnaturschutzbundes, hört Anekdoten wie die von den Schweizern, die für die Gründung des Schweizer Nationalparks in Italien Steinböcke klauen mussten, weil die heimischen alle ausgerottet worden waren, lernt das Leben von Regenwaldschützer Bruno Manser und das von zahlreichen Indigenen kennen, die sich, von den Industrieländern ausgebeutet, seit Jahrzehnten für den Schutz der Wälder ihrer Heimat einsetzen. Die Ausstellung endet mit der Darstellung des Ist-Zustands der Wälder weltweit, für die es vielerorts bereits fünf nach zwölf ist.

Der Künstler Osvaldo Pitoe erinnert an die Bedeutung des Waldes, der heute akut durch die Abholzung gefährdet ist. Sammlung Artes Vivas, Verena Regehr Gerbe
Jahrhundertelang wird Laub dem Vieh verfüttert. Es dient auch als Streumaterial für Ställe oder Füllmaterial für Bettsäcke ärmerer Leute. Musée d’art du Valais, Sion, inv. BA 2201 ©Musées cantonaux du Valais, Sion. Michel Martinez
Die entwurzelten Tannen sind Symbol für die Urgewalten der Natur und ihre ungebändigten Kräfte. Caspar Wolf komponierte diesen urwüchsigen Wald im Atelier in theatralischer Manier. argauer Kunsthaus Aarau, Depositum der Koch-Berner-Stiftung, Foto: Jörg Müller
Autor:in

Christine Schnapp

Christine Schnapp ist Redaktorin des Naturfreund, Buchautorin und arbeitet freiberuflich als Lektorin und Produzentin. In ihrer Freizeit hört sie gerne den Lebensgeschichten anderer Menschen zu oder geniesst in den Bergen die Stille.

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