Das lange Warten auf den Frühling

Wie überstehen Insekten unsere Winter, mit Eis, Schnee und Kälte? Wohin sind die bunten Tagfalter verschwunden, die im Spätsommer noch über die Wiesen tanzten? Und wo haben sich die Wildbienen, Käfer, Wanzen und Fliegen verkrochen? Wie es für die erfinderische und vielfältige Insektenwelt nicht anders zu erwarten ist, gibt es auch auf diese Fragen nicht nur eine einzige Antwort.

Man könnte meinen, dass sich einige Stadien der Insektenentwicklung besonders gut für eine Überwinterung eignen. Etwa das Ei- oder das Puppenstadium, während denen die Nahrungsaufnahme ohnehin ausfällt. Aber die Insekten lassen sich nicht in ein solches Schema pressen, vielmehr haben sie vielfältige Überwinterungs-Strategien entwickelt, die sämtliche Entwicklungsstadien einschliessen.

Migranten: Auf und davon

Ganz ähnlich den Zugvögeln gibt es auch unter den Insekten Arten, die unserem Winter durch die Flucht in mildere Gefilde entgehen. Neue Studien belegen sogar, dass die Biomasse migrierender Insekten jene der Zugvögel um ein Vielfaches übertrifft.

Stellvertretend für die Migranten sei der Distelfalter genannt. Er wandert im Frühling von Afrika kommend über Südeuropa bei uns ein, und im Herbst ziehen seine Nachkommen wieder zurück, bis hinunter ins südliche Sahara-Gebiet. Ganz ähnlich halten es der Admiral, das kleine Taubenschwänzchen und der riesige Totenkopfschwärmer, aber auch andere Insekten wie etwa die wanderlustige Hain-Schwebefliege.

Die Ausharrer: Irgendwie die Kälte überstehen

Alle nicht wandernden Arten müssen unseren garstigen Winter aussitzen. Während die einen die Puppenruhe dazu nutzen, also jenes Stadium, das sie von einer Larve in ein ausgewachsenes Insekt verwandelt, verkriechen sich andere als Larve oder erwachsene Tiere in Mauerritzen, Astlöchern und unter dürrem Laub, oder sie graben sich im Boden ein, suchen Schutz unter Moospolstern im Wald, weben sich ein Überwinterungsquartier, oder setzen sich ganz einfach an ein Ästchen und warten. Wieder andere machen ihre Eihülle zu ihrem Winterquartier: Sie schlüpfen gar nicht erst, sondern warten damit lieber den nächsten Frühling ab.

Überwinterung im Ei

Die Zipfelfalter sind eine Gruppe kleinerer Tagfalter, die zu den Bläulingen zählen. Die meisten ihrer heimischen Vertreter setzen auf Überwinterung im Ei. Im Spätsommer kleben die Weibchen ihre Eier einzeln an Zweige der Raupen-Futterpflanze. Über sechs Monate lässt sich die Raupe im Inneren des Eis Zeit, bevor sie im Frühling gleichzeitig mit dem Austreiben der Blüten- oder Blattknospen schlüpfen. Auch einige Libellen und die meisten Heuschrecken, Schaben, Wanzen und Gottesanbeterinnen überwintern im Ei.

Winterkinder: Überwinterung als Larve

Überraschend viele Insekten gehen als Larve in die Winterruhe. Einige Schmetterlinge bauen sich ein Winterquartier. Das sogenannte Hibernaculum des Kleinen Eisvogels besteht aus einem kleinen, zusammengerollten Laubblatt, welches die nur wenige Millimeter grosse Raupe am Ästchen festspinnt, bevor der herbstliche Laubfall …


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