Die Roten, die Blauen und die Grünen

Schon bald erheben sie sich wieder in die Lüfte und wecken unsere Faszination, die farbenprächtigen kleinen Helikopter, die sich auf sommerlichen Spaziergängen entlang dem Wasser oft ganz plötzlich zeigen, um gleich darauf genauso schnell wieder zu verschwinden: Die Libellen! Wer sind sie? Was tun sie? Und gibt es wirklich nur eine Rote, eine Blaue und eine Grüne von ihnen?

Auch wenn die Vielfalt der Libellen in der Schweiz (knapp 80 Arten) im Vergleich zu anderen Insekten wie etwa Schmetterlingen oder Käfern (jeweils mehrere Tausend Arten) eher gering ist, so sind sie doch mit der Beschreibung ihrer Farbe noch lange nicht auf Artniveau bestimmt. Denn es gilt: Libelle ist nicht = Libelle.

Drachenfliege oder Damenfliege?

Um eine Libelle richtig zu bestimmen, müssen wir als erstes wissen, ob es sich um eine Grosslibelle (auf Englisch „Dragonfly“, also „Drachenfliege“) oder um eine Kleinlibelle (auf Englisch „Damselfly“, also „Damenfliege“) handelt. Obwohl wir diese beiden im deutschen Sprachgebrauch einheitlich als „Libellen“ bezeichnen, handelt es sich aus wissenschaftlicher Sicht um zwei verschiedene Unterordnungen, die sich auch nicht ausschliesslich auf Grund ihrer Körpergrösse unterscheiden lassen. Die weltweit grösste Libelle beispielsweise lebt im südamerikanischen Regenwald, und gehört wissenschaftlich gesehen zu den „Kleinlibellen“! Worauf genau kommt es also bei dieser etwas bizarr anmutenden Einteilung an?

Sogar aus Afrika

Die Grosslibellen, wissenschaftlich gesprochen die Unterordnung der „Anisoptera“, sind wohl das was wir im Volksmund am ehesten unter einer „Libelle“ verstehen. Ruhen sie, so sind ihre Flügel geöffnet und damit beidseits vom eher massigen Körper abgespreizt. Ihre auffällig grossen und meist in vielen Farben schillernden Augen sind nach vorne ausgerichtet und berühren sich bei fast allen Arten. Sie sind ausdauernde Flieger und können weite Strecken zurücklegen. Einzelne Arten von Grosslibellen fliegen bei uns in der Schweiz regelmässig aus dem Mittelmeerraum, oder gar von Nordafrika her ein und überwinden dabei Bergpässe und sogar das weite Meer.

Die Kleinlibellen, wissenschaftlich gesprochen die Unterordnung der „Zygoptera“, halten ihre Flügel im Ruhen meist über dem dünnen, stäbchenförmigen Körper zusammengeklappt. Ihre kleinen, knopfartigen Augen sind zur Seite hin ausgerichtet und berühren sich somit nie. Dies erlaubt es den schlanken zierlichen Wesen, sich eng an einen Halm geschmiegt vor einem Feind zu verstecken, ohne diesen dabei jemals aus den Augen lassen zu müssen. Denn während so der ganze Körper hinter dem Halm verschwindet …


Neugierig geworden? Den kompletten Artikel finden Sie im Naturfreund 01/21. Abonnieren Sie die Zeitschrift ganz einfach über unseren Shop.

Nach oben