10.12.2019

4 Fragen an Roland Hofer

Heute gehen die 4 Fragen an Roland Hofer; er ist Wissenschaftlicher Mitarbeiter an der Forschungsstelle für Namenkunde an der Uni Bern und überbringt uns im vorliegenden Heft «Winterliche Grüsse aus der Namenlandschaft».

Das Ewigschneehorn (3329 m) ist ein Berg im Berner Oberland. Heute, in Zeiten der raschen Klimaerwärmung, würde man es wohl kaum mehr wagen, einem Berg diesen Namen zu verleihen. Weiss man, wann das Ewigschneehorn seinen Namen erhalten hat?

Der Gipfel ist erstmals 1795 unter diesem Namen erwähnt. Zwischendurch taucht in den Unterlagen auch noch der ältere Name Schneewiges Horn auf. Im Laufe des 19. Jh. setzte sich dann Ewigschneehorn durch.

Wo vor kurzem noch Kühe weideten, gibt’s in meinem Dorf neuerdings einen Amselweg. Werden Flurnamen heutzutage nach dem Prinzip «es tönt gut» vergeben? Wer ist zuständig für Flurnamen? Gilt dies auch für Strassennamen?

Die Strassennamen liegen in der Kompetenz der Gemeinden. Für die Flurnamen sind die Kantone zuständig, die sie anlässlich der Amtlichen Vermessung in den Gemeinden (zusammen mit ortskundigen Gewährspersonen) erheben und von der Kantonalen Nomenklaturkommission kontrollieren lassen. Das angesprochene Prinzip greift v.a. bei neuen Quartier- oder Strassennamen. Oft werden bei grösseren Überbauungen quartierweise ähnliche Namen vergeben, z.B. Blumennamen (Veilchenweg, Tulpenweg), Vogelnamen (Elsternweg, Amselweg), Bergnamen (Niesenweg, Stockhornweg) usw.

Seit wann gibt’s an der Uni Bern die Forschungsstelle für Namenkunde? Gibt es an weiteren Universitäten der Schweiz ähnliche Forschungsstellen?

Die Forschungsstelle für Namenkunde an der Universität Bern wurde von dem Dialektologen und Volkskundler Paul Zinsli in den 1950er Jahren begründet. Sie ist derzeit die einzige universitäre verankerte Namenforschungsstelle der Schweiz.

Wird man irgendwann den Moment erreicht haben, an dem man alles über die alten Schweizer Flurnamen erforscht hat? Oder anders gefragt: wie lautet der Auftrag Ihrer Forschungsstelle?

Dieser Moment wird wohl nie ganz erreicht werden, denn die Forschung entwickelt sich stetig weiter und zudem ist es immer möglich, dass Namen in Urkunden entdeckt werden, die noch nirgends erwähnt worden sind. Die Forschungsstelle für Namenkunde vertritt und erweitert in gegenseitigem Austausch mit den Nachbardisziplinen (Dialektologie, Geschichte usw.) die wissenschaftliche Fundierung der Namenkunde. Neben dem Bewahren von Namen, die sonst, etwa bei Güterzusammenlegungen, verloren gehen können, hat sie die Aufgabe, die Namendatenbank des Kantons Bern zu erhalten, zu erweitern (z.B. durch neue Namen der Amtlichen Neuvermessung) und der Öffentlichkeit und der Wissenschaft zugänglich zu machen, etwa in Form eines Online-Angebotes auf der Homepage sowie durch die Herausgabe des Ortsnamenbuches des Kantons Bern.

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