Das Jaköbli – ein Ort fürs Herz

46.907327, 8.52597 – das sind die Koordinaten des Naturfreundehauses St. Jakob im Grosstal, einem Hochtal westlich des Urner Sees. Die Standortgemeinde Isenthal nutzt sorgfältig, geschickt und stolz das, was es vor Ort gibt – vorab eine intakte Natur, ein reiches Kulturerbe und die Stärken ihrer Bürger. Das Jaköbli, wie das NF-Haus liebevoll genannt wird, trägt zum Leben im Tal bei und macht den Gästen die authentischen Freizeitangebote der Umgebung bekannt.

Vor noch nicht allzu langer Zeit scharwenzelten Skitourenfahrer souverän in Richtung Grosstal runter. Dem Juchzen nach schien es einfach herrlich zu sein, dieses Couloir östlich des Chaiserstuels abzufahren, welches gegen Mittag bereits angenehm sulzig war. Als von mächtigen Schneewächten behüteter Kessel leitete er die Skitourengängerinnen – unterwegs auf dem Klassiker Kleine Bannalper Rundtour – auf der Urner Seite in Richtung Grosstal hinunter, quasi über die ‘weisse Grenze’ zwischen Obwalden und Uri.

Unterdessen prägen statt des sanften Weiss längst verschiedene Grün die Landschaft, aufgepeppt mit fröhlichen Farbtupfern. Diese Aussicht geniessen sie nun, zwei dieser Skitourenfahrer, und träumen sich auf dem Balkon des Naturfreundehauses in die vergangene Wintersaison zurück. Sie war phänomenal, darf man sagen.

Eine Aussicht wie aus dem Bilderbuch. Oder genauer gesagt, die grad das Bild ist, eingerahmt von Balkongeländer und Decke. Dessen Galerie, das Naturfreundehaus, befindet sich auf rund 1000 Meter ü. M., sanft eingebettet in Wiesen und Wälder und bewacht vom Lauwelitaler Bach im Rücken. Die Luft ist rein, höchstens geschwängert von moosig-erdigem Waldgeruch und Heu. Zu hören ist nichts, es ist ‘Stille Nacht’, vielleicht ein Konzert des gemischten Chors Isenthal bestehend aus Grillen, Kuhglocken und Bachrauschen.

Die Gäste erreichen das Haus auch mit öffentlichen Verkehrsmitteln – mit dem Zug nach Flüelen, von dort mit dem Postauto bis Isenthal Stettli und anschliessend zehn Minuten zu Fuss bis ins Paradies. Dort wartet ein einfaches Gruppenhaus auf seine Gäste, bietet diesen sechs Zimmer mit 26 Betten, einen gemütlichen Aufenthaltsraum mit Kachelofen und sogar einen kleinen Seminarraum. Nein, die Leinwand kann nicht per Knopfdruck heruntergefahren werden und es bereitet auch niemand die Kaffeepause vor – im Jaköbli finden Gäste in der Einfachheit zum neuen Glück. Oder sie trainieren Teamwork, sei es beim gemeinsamen Gemüserüsten oder beim Sich-um-den-Abwasch-Streiten wie früher. Und für alle, die sich erfolgreich vor der Arbeit drücken konnten, steht im Garten ein Pingpongtisch oder knistert ein Feuer zum Schlangenbrotbacken.

Ein Themenweg, der seinen Namen verdient

Das Naturfreundhaus St. Jakob ist ein idealer Ausgangspunkt für Aktivitäten draussen. Für den Sommer haben die örtlichen Wegbereiter über hundert Kilometer Wanderwege ‘auf die Beine gestellt’. Diese thematisieren die Eigenheiten des Tals. Beispielsweise der Erlebnisweg ‘Urchigs Handwärch’, schweizweit ein Unikum, der sich authentisch der Isenthalter Handwerks-
tradition widmet und die Gäste verschiedenes ausprobieren lässt: Sie besticken Lederriemen oder machen Schindeln und ‘Stüdägarbä’. Bereits über zehn Mal fanden im Herbst der Handwerkermarkt und der Alpabzug statt, die jeweils über tausend Besucher anlockten. Beim Traditionsanlass schauen Besucher dem ‘Trychläriämästicker’, dem Korber, dem ‘Sägessädängler’ oder dem Holzschuhmacher über die Schulter. Sogar der Kaminfeger stellt aus und serviert ‘Isitaler Schwarzes’, direkt vom Feuer – auch das gehört zum Kulturgut, das die Isenthaler so sorgfältig und stolz pflegen.

In Wert setzen, was man hat

Eine Perle von Natur- und Kulturlandschaft ist die Alp Gitschenen unweit des Naturfreundehauses, ein biodiverses und artenreiches Sonnenplateau auf 1600 Meter ü. M. Toll an Gitschenen ist, dass man nur zu Fuss oder mit dem kecken violetten 8er-Gondelbähnli hinkommt.

Bereits seit 1957 gibt es dort das Berggasthaus, wo Seminare, aber auch die hiesige Stubete ihren Platz haben, seit 2009 das Restaurant Alpstubli, seit jeher den Bergbauernhof Kneiwies. Dieser Betrieb kultiviert traditionell Kräuter, denen der lehmige Mergelboden auf Gitschenen offenbar bestens passt. Daraus entsteht der aromatische Urner Kräutertee, den Gäste vor Ort kaufen können. Das Schöne an allem: Hier wird mit dem gearbeitet, das man hat. So werden Angebote in Zusammenarbeit mit lokalen Produzenten, Handwerkern oder Tourenleitern umgesetzt, mit dem Ziel, die Natur- und Kulturlandschaft zu bewahren.

Irgendwie scheint man in Isenthal begriffen zu haben, worum es geht: Man arbeitet zusammen und bewegt sich in die gleiche Richtung. Für Aussenstehende nicht nur beeindruckend, sondern überwältigend, wie eine Gemeinde ihre Zukunft anpackt zum ‘midänand wyyterslüägä’. Hochachtung, Isenthal!

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