15.06.2020

Kinderfreundlich – Ferien auf Brambrüsch

Es ist zwar leicht antiquiert, aber unkompliziert! Und es ist preisgünstig, bietet viel Platz und ist per Seilbahn gut erreichbar: das Naturfreundehaus Brambrüsch, oberhalb von Chur. Ob Rodelbahn oder Moorpfad, ob Wandern, Biken oder eine Abfahrt auf dem Trottinett – auf Brambrüsch ist vieles möglich. Auch für Kinder!

Nächstes Jahr werden es 100 Jahre her sein, seit die Naturfreunde auf Brambrüsch, dem Churer Hausberg, Stellung bezogen haben. Stellung beziehen – die Wortwahl mag seltsam anmuten. Aber sie weist darauf hin, wie aussergewöhnlich der Auftritt der Naturfreunde damals war. Weil es ein Auftritt der Proletarier war. Die Naturfreunde vor 100 Jahren auf Brambrüsch: hier trat nicht das Grosskapital auf; hier ging‘s nicht um ein Berg-Hotel für Direktoren, und es ging nicht um Belle Epoque. Nein, hier emanzipierten sich Angestellte; hier machten sich Gewerkschafter daran, ihr Konzept für ein Leben in geistiger und körperlicher Gesundheit in die Tat umzusetzen.

Auf dass Wandern zum Genuss wird!

Thomas Hensel, mittlerweile seit 20 Jahren Präsident der Naturfreunde-Sektion Chur (und hauptberuflich als Gewerkschaftssekretär tätig), legt ein Foto-Album voller alter Brambrüsch-Ansichtskarten auf den Tisch. Die meisten davon schwarz-weiss. Die ältesten davon sind mit 10-Rappen-Marken frankiert. Versehen mit dem hauseigenen Naturfreunde-Brambrüsch-Stempel. Auf diesen Fotos steht das Brambrüsch-Haus allein auf weiter Flur. Und beim näheren Hinschauen erkennt man: es ist nicht das heutige Haus; es ist das Vorgängergebäude. Und wie man weiter in diesem Postkarten-Album blättert, erkennt man die diversen Bauetappen, die das jetzige Brambrüsch-Haus durchlaufen ist.

Wer heute ins NF-Haus auf dem Churer Hausberg kommt, erhält allerlei Einladungen. Und eine davon ist eben dieser Blick in die Vergangenheit. Und damit auch darauf, wie Naturfreunde damals über ihr Verhältnis zur Natur nachgedacht haben. In jenem Jahr, 1921, als die Naturfreunde Chur den Grundstein für ihr Haus auf Brambrüsch gelegt haben, postulierte die Naturfreunde-Zeitschrift beispielsweise folgenden Aufruf: «Nicht nur wandern soll der Arbeiter, er soll auch sehen lernen, was die Natur in so reichem Masse um ihn ausbreitet. Und wenn er die Zusammenhänge begriffen hat, wenn er das sinngemässe Wirken jedes noch so unscheinbaren Wesens in der Natur begriffen hat, wird ihm das Wandern erst recht zum Genuss werden».

Freude und Schmerz

Darin, in dieser Art des Erlebens der Natur, steckt ein Kernanliegen der Naturfreunde-Bewegung. Und darin findet sich eine weitere Einladung, die das Brambrüsch-Haus auch für heutige Besucherinnen und Besucher bereithält: dieses Haus als Basislager dazu benutzen, um gemeinsam mit anderen, mit der Familie, mit den Kindern oder Grosskindern dieser Schönheit und den Verflechtungen in der Natur auf die Spur zu kommen.

Man wird dabei viel Freude erleben; aber man wird dabei auch dem Schmerz begegnen – weil man feststellen muss, wie stark diese Natur auch hier oben unter Druck geraten ist und gerät. Und wir wissen es alle: diese Art von Gefährdung, diese mitunter schleichende Art der Naturzerstörung hat sehr oft zu tun mit Bequemlichkeit und Egoismus. Die zurzeit vorangetriebenen Arbeiten zur Verbreiterung der Zufahrtstrasse hinauf nach Brambrüsch wird den Druck auf die Natur jedenfalls in keiner Weise mindern.

Aber vielleicht braucht’s eben auch dies: dass wir mit unseren Kindern und Kindeskindern diese Gefährdungen wahrnehmen, dass wir erkennen, mit welchen Entscheidungen (z.B. über Strassenprojekte, über Parkplätze, über Neubauten etc.) wir just solche Wellen auslösen. Dann wird es darum gehen, die Empörung und Wut darüber in produktive Kraft zu transformieren und Alternativen für mehr Nachhaltigkeit zu entwickeln.

Es gibt sie, die Möglichkeiten

Und da nun legt Thomas Hensel ein zweites Dokument auf den Tisch. Es enthält Skizzen darüber, wie so eine Entwicklung aussehen könnte. Auf das NF-Haus Brambrüsch bezogen, fokussiert dieses Papier (das auch der Tourismuskommission Churwalden vorliegt) auf Angebote für Familien, Schul- und Lehrlingsklassen, für Vereine und andere Gruppen. Entsprechend vielfältig sieht die Themenvielfalt aus: sie reicht von der Ornithologie und dem Alpsommer bis zur Energiegewinnung und von der Familien-Wanderwoche bis zu den Spuren der Römer und der Polen.

Ergo geht es dem Naturfreund und Gewerkschafter Hensel auch darum, dass möglichst viele regional ansässige Partner daraus eine Wertschöpfung erzielen können. Und dass sich daraus (sowie über eine geänderte Bewirtschaftung von Parkplätzen) auch Modelle ableiten (und finanzieren) lassen, die eine Alternative zum motorisierten, touristischen Individualverkehr bieten. Als Beispiel genannt sei ein Busbetrieb (eventuell als Ruf-Taxi) zwischen Brambrüsch und Churwalden. Mit dem Ziel, wie Thomas Hensel festhält, den Autoverkehr von und ab Brambrüsch nicht weiter anwachsen zu lassen – weil die natürliche Ruhe ein zentraler Anziehungspunkt des Churer Hausbergs ist. Und diese Qualität gilt auch für das Naturfreundehaus Braumbrüsch.

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