Auf dem Camino – trotz allem

Jakobsweg, Pilgern, Santiago, Camino – schillernde Worte! Auch dieses Jahr wieder machen sich Hunderte auf den Weg. Darum die Frage: soll man das heute noch tun? Die Antwort: Ja – trotz allem! Pilgern in Spanien, auf dem Camino.

Vier oder fünf Wochen frei nehmen, zu Hause Tschüss sagen, und fortan jeden Morgen früh aufstehen und Tag für Tag eine Etappe weiter wandern; bis man am Schluss die 800 Kilometer geschafft hat. So etwas tun zu können ist wohl beides: Geschenk und Privileg. Ein Geschenk zudem, dessen Wert nach Erhalt in keiner Weise abnimmt – im Gegenteil.

Wanderer werden Pilger

Saint-Jean-Pied-de-Port heisst jenes kleine Städtchen auf der französischen Seite der Pyrenäen, in welches ab dem nahen Bayonne am Atlantik mehrmals täglich ein mit Diesel betriebener Tramwagen rattert und in dem es für dessen Grösse eine erstaunlich hohe Anzahl an Hotels und Herbergen gibt. Aber das Aussergewöhnliche an diesem Städtchen ist was anderes: es führt zu Metamorphosen! Wer nämlich abends (nach der langer Anreise im Zug) in so einem Haus in Saint-Jean Quartier bezieht, um sich anderntags nach dem Kaffee mit einem Rucksack am Rücken zu seiner allerersten Wander-Etappe auf den Weg zu machen, ist über Nacht vom Wanderer zum Pilger mutiert! Wie und warum? Weil jene, die nun ab Saint-Jean Richtung Süden (d.h. Richtung Spanien) losmarschieren, fortan nicht mehr Wandernde genannt werden – sondern Pilger, respektive Pèlerins, Peregrinos!

Und wer bislang geglaubt hatte, ein „richtiger“ Pèlerin trage über die Schulter gehängt eine Pilgertasche (als Zeichen der Freizügigkeit), einen weiten Mantel (eine Pèlerine…) in der rechten Hand einen Pilgerstab (zur Abwehr gegen das Böse) und in der Linken einen Rosenkranz, der oder die wird ab Saint-Jean eines besseren belehrt. Das mag früher mal so gewesen sein (heutige Pilger halten in ihrer Rechten nicht selten ihr I-Phone). Und apropos „früher“: das reicht hier enorm weit zurück – 1000 Jahre! Denn, so berichten es die Historiker, ab dem 9. Jahrhundert verbreitete sich in Europa die Kunde, wonach man in Galizien, also im äussersten Westen Spaniens (aufgrund eigenartiger Vorkommnissen am Sternenhimmel…!) das Grab des Apostels Jakobus entdeckt habe. Und es ist nun genau diese Totenstätte, die Santiago de Compostela (und damit diesen Pilgerweg) begründet …


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