
Eine Volksinitiative für die Bienen
Zum Tag der Bienen, am 20. Mai, wollen die Naturfreunde Schweiz, die Imkerverbände und Future 3.0 eine Volksinitiative lancieren. Ihr Ziel: Die Bestäubung in der Schweiz zu sichern. Eine Bienen-Initiative soll rasch griffige Massnahmen zur Förderung von Bienen und anderen einheimischen Bestäuber-Insekten bringen.
Bienen und andere Bestäuber-Insekten sind die kleinen Heldinnen unseres Alltags. Sie sichern eine vielfältige Natur und unsere Ernährung. Doch die fleissigen Helferinnen verschwinden aus unseren Gärten, Feldern und Wäldern. Fast die Hälfte der über 600 Wildbienenarten in der Schweiz ist gefährdet. 59 Arten gelten als ausgestorben. In den letzten 30 Jahren dürfte die Insektenmasse um mehr als drei Viertel zurückgegangen sein.
Rückgang der Blüten-Bestäuber
Bienen und anderen Bestäuber-Insekten fehlen Blüten zum Sammeln von Pollen und Nektar sowie geeignete Nistplätze. Honigbienen kämpfen zudem mit Krankheiten, Parasiten und invasiven Arten, zum Beispiel Varroa-Milben oder Asiatischen Hornissen. Auch vielen anderen Bestäuber-Insekten geht es zunehmend schlecht, etwa Schmetterlingen, Schwebfliegen oder Käfern.
Bedeutung der Bestäubung
Insekten sind artenreich, zahlreich und vielfältig spezialisiert. Deshalb spielen sie eine tragende Rolle in fast allen Ökosystemen. Etwa 84 Prozent der in Europa angebauten Nutzpflanzen sind auf die Bestäubung durch Insekten angewiesen. Ohne diese Bestäubung würden die Qualität und die Quantität der Ernten vieler Sorten von Beeren, Obst und Gemüse abnehmen. Schwinden die Bestäuber weiter, hat das Auswirkungen auf unsere Lebensgrundlagen sowie auf unsere Ernährungs- und Versorgungssicherheit. «Wegen des Klimawandels dürfte der Verlust von Bienen und anderen Insekten künftig noch stärker ins Gewicht fallen», warnt Willy Geiger, Stiftungsrat von Future 3.0 und Entomologe.
Einschätzung der Wissenschaft
Zum Erhalt und zur Förderung von Bienen und anderen Bestäuber-Insekten in der Schweiz müssten also rasch wirksame Massnahmen umgesetzt werden. Das Eidgenössische Departement für Umwelt, Verkehr, Energie und Kommunikation UVEK hatte im August 2019 zu Ursachen, Handlungsbedarf und Massnahmen gegen das Insektensterben einen Bericht mit einem 10-Punkte-Plan publiziert. Die Akademie der Naturwissenschaften Schweiz (SCNAT) publizierte 2021 im Swiss Academies Report «Insektenvielfalt in der Schweiz» einen 12-Punkte-Programm mit konkreten Massnahmen zur Verbesserung der Situation der Insekten. Der Bundesrat versicherte darauf, dass er diese Empfehlungen berücksichtigen werde.
Doch was bisher gegen das Insektensterben getan wurde, zeigt kaum Wirkung. Obwohl auch das Parlament den Bundesrat mehrfach dazu aufforderte, ambitionierte Massnahmen gegen das Insektensterben zu ergreifen.
«Wenn der Bundesrat einen wichtigen Auftrag des Parlaments nicht umsetzt, bleibt in der Schweiz das Stimmvolk als letzte Instanz», betont Sebastian Jaquiéry, Co-Präsident der Naturfreunde Schweiz. Deshalb sollen der Erhalt und die Förderung von Bienen und anderen Bestäubern nun in der Verfassung verankert werden – damit sie die Ernährung kommender Generationen sichern können.
Breite Allianz baut Brücken
Mit einer breiten Allianz wollen die Imkerverbände der drei Sprachregionen (BienenSchweiz, Société Romande d’Apiculture, Federazione Ticinese di Apicoltura), Future 3.0 und die Naturfreunde Schweiz Brücken bauen – zwischen Wirtschaft, Gesellschaft und Natur.
«Bienen und andere Bestäuber sind zentral für Wirtschaft, Gesellschaft und Natur», sagt Samantha Bourgoin, Präsidentin der Federazione Ticinese di Apicoltura und Vorstandsmitglieder der Naturfreunde Schweiz. «Die Herausforderung, ihr Verschwinden zu stoppen, ermöglicht es unterschiedlichsten Menschen und Interessengruppen, aufeinander zuzugehen und gemeinsam Lösungen zu finden.»
Das Insektensterben betrifft uns alle – und nur gemeinsam können wir etwas dagegen tun.
Mehr Informationen zur Bienen-Initiative und zu den Möglichkeiten, sich für die Initiative einzusetzen, finden sich hier:
