
Bestäubung und damit Lebensgrundlagen sichern
Den Schweizer Bienen und Bestäuber-Insekten geht es schlecht. Deshalb lancieren die Naturfreunde Schweiz zusammen mit den Imkerverbänden aller drei Sprachregionen und der Stiftung Future 3 die die «Bienen-Initiative»: Sie will den Schutz der Bestäubung in einem neuen Verfassungsartikel verankern. Die Unterschriftensammlung startet heute, am Vortag des Tags der Bienen.
Bienen und andere Bestäuber-Insekten sind die Basis unserer Versorgung. Rund 84 Prozent der in Europa angebauten Nutzpflanzen sind auf ihre Bestäubung angewiesen – jeden dritten Bissen verdanken wir ihnen. Allein für die Schweizer Landwirtschaft wird der Wert dieser Leistung auf bis zu 479 Millionen Franken pro Jahr geschätzt. Verschwinden die Bestäuber, schwinden nicht nur unsere Ernten: Wir verlieren blühende Wiesen und artenreiche Landschaften, Ökosysteme, die Kohlenstoff binden, und unverzichtbare Nahrung für Vögel, Fische, Fledermäuse und Igel. Mit den Bestäubern stehen ganze Nahrungsketten auf dem Spiel.
Fast die Hälfte der Wildbienenarten ist gefährdet
Die Zahlen sind eindeutig. Fast die Hälfte der über 600 Wildbienenarten in der Schweiz ist gefährdet, 59 Arten gelten als ausgestorben. Die Insektenmasse hat in den letzten 30 Jahren um über drei Viertel abgenommen. Auch den Honigbienen geht es schlecht. Sie kämpfen mit Krankheiten, Parasiten und invasiven Arten wie der Asiatischen Hornisse oder der Varroa-Milbe. Der Klimawandel verschärft die Lage zusätzlich.
Bevölkerung ist besorgt, der Bundesrat bleibt untätig
Die Bevölkerung und das Parlament haben die Folgen des Insektensterbens bereits erkannt: Fünf Motionen wurden seit 2013 überwiesen, vier davon einstimmig. Zwei Petitionen zum Schutz der Bestäuber erreichten 80 000 und diejenige der Naturfreunde Schweiz gar 165 000 Unterschriften.
Trotzdem bleiben die Massnahmen des Bundesrats ungenügend, geht es den Bestäuber-Insekten nicht besser: Im Aktionsplan Biodiversität II stehen für die Bekämpfung des Insektensterbens innert sechs Jahren nur 3 Millionen Franken zur Verfügung – vor allem für Konzepte und Empfehlungen. Konkrete, überprüfbare Massnahmen mit klarem Zeithorizont fehlen weiterhin. Bundesrat und Verwaltung haben die Aufträge jahrelang liegengelassen. Mit der «Bienen-Initiative» kann nun die Stimmbevölkerung den nötigen Druck für ambitionierte Massnahmen aufbauen.
Was die Initiative verlangt
Die «Bienen-Initiative» nimmt Bund und Kantone in die Pflicht: Sie sollen die Bestäubung von Wild- und Kulturpflanzen durch Insekten sichern – und dafür die nötigen finanziellen Mittel und personellen Ressourcen bereitstellen. Der Bund soll Vorschriften erlassen, welche die Bestände und die Vielfalt einheimischer Bestäuber-Insekten fördern und ihren langfristigen Erhalt gewährleisten. Kantone, Gemeinden und die Wirtschaft werden dabei vom Bund unterstützt.
Wie das Ziel zu erreichen ist, schreibt die Initiative nicht vor. Was zu tun wäre, ist seit Jahren bekannt und betrifft mehrere Politikbereiche. Die Bundesverwaltung hat 2019 zuhanden der nationalrätlichen Umweltkommission eine Auslegeordnung erstellt und in zehn Handlungsfeldern detailliert beschrieben, wie das Insektensterben gestoppt werden kann. Die Schweizer Akademie der Naturwissenschaften publizierte 2021 einen umfassenden Bericht zum Zustand der Insekten in der Schweiz und ein 12-Punkte-Programm für deren Erhaltung und Förderung. Mehr Blühflächen, besser vernetzte Lebensräume, weniger Lichtverschmutzung und ein entschlosseneres Vorgehen gegen invasive Arten wie die Asiatische Hornisse oder die Varroa-Milbe würden bereits viel bewirken. Die «Bienen-Initiative» will den politischen Willen schaffen, das endlich umzusetzen.
Keine gekauften Unterschriften
Das Initiativ-Komitee hat einstimmig beschlossen, keine Unterschriften von kommerziellen Sammelfirmen zu kaufen. Die nötigen 100 000 gültigen Unterschriften sollen aus eigener Kraft zusammenkommen.
Die Sammlung startet heute, am Vortag des Tags der Bienen. Die Herausforderung Insektensterben betrifft alle. Sie lässt sich gemeinsam lösen, für heutige und kommende Generationen.
Alle Informationen zur «Bienen-Initiative» und zum Unterschriften sammeln finden sich hier:
