Das Handwerk der Strahler:innen
Die Aufnahmen im Film «Im Bann der Quarzkristalle» stammen aus dem Kanton Uri, seit jeher eines der Zentren der Strahlerkunst. Der Zuschauende folgt Strahler:innen, deren Tradition […]
Die Aufnahmen im Film «Im Bann der Quarzkristalle» stammen aus dem Kanton Uri, seit jeher eines der Zentren der Strahlerkunst. Der Zuschauende folgt Strahler:innen, deren Tradition des Kristallsuchens bis ins 16. Jahrhundert zurückreicht, bei ihren Suchaktionen. Interviewpassagen wechseln sich mit Aufnahmen in der rauen Landschaft ab, für beides nimmt sich die Kamera wunderbar Zeit. Die meisten Strahler:innen betreiben ihre Kunst als ein Hobby. Wird es in Ausnahmefällen doch zum Beruf, wird für den Winter oft eine Zweitanstellung gesucht. Alle vereint die Freude am Schönen und am Kick, den man erlebt, wenn man, manchmal nach langen Phasen ohne Fund, ein besonders schönes Exemplar entdeckt. Das Leuchten in den Augen während der Interviews bestätigt dies. Auch die Schattenseiten werden beleuchtet. Einige der Interviewten berichten von Unfällen oder Todesfällen in der Familie, die während des Kristallsuchens geschahen. Der Klimawandel verändert die Bedingungen, unter denen gearbeitet wird, bspw. durch zurückweichende Gletscher. Dadurch werden neue Such- und Fundorte zugänglich.
Durch die altermässige Diversität der Interviewten wird, ohne es explizit zu benennen, ein Generationenwechsel in der «Branche» sichtbar. Während die älteren Semester neben der Arbeit im Landwirtschaftsbetrieb in die Kunst des Kristallsuchens eingeführt wurden und alles in einfachem Rahmen geschah, kehrt heute eine gewisse Professionalisierung ein. Ein Konflikt scheint daraus aber nicht zu entstehen, vielmehr vermitteln den Zuschauenden Szenen wie die gemeinsame Herstellung künstlicher Kristalle aus dem 3D-Drucker oder der Besuch einer Fachmesse, dass die gegenseitige Unterstützung und das Weitergeben von Wissen im Vordergrund stehen. Abgerundet wird der Film von Kommentaren der Regisseurin aus dem Off. Darin verbindet sie Kindheitserinnerungen aus ihrer Urner Heimat mit der Bedeutung von Kristallen für verschiedene Kulturen rund um den Globus. Ein ruhiger und beobachtender Film, der Lust darauf macht, sich tiefer mit der Materie auseinanderzusetzen.
Titel: Im Bann der Quarzkristalle
Produzentin, Regisseurin und Drehbuch: Irene Marty
Laufzeit: 94 Minuten
Erstaufführung: 22.01.2026, Solothurner Filmtage
Produktion: aproposfilm GmbH und SRF Schweizer Radio und Fernsehen
Sprache: Schweizerdeutsch mit französischen und englischen Untertiteln
Jetzt im Kino und anschliessend auf den üblichen Streaming-Plattformen.

