Impuls des Co-Präsidenen 3/26
Sind die Naturfreunde politisch? In Artikel 1 der Statuten der Naturfreunde Schweiz steht, dass unser Verband parteipolitisch ungebunden ist. Gleichzeitig setzen sich die Naturfreunde gemäss Artikel […]
Sind die Naturfreunde politisch? In Artikel 1 der Statuten der Naturfreunde Schweiz steht, dass unser Verband parteipolitisch ungebunden ist. Gleichzeitig setzen sich die Naturfreunde gemäss Artikel 2 derselben Statuten für eine nachhaltige Entwicklung, Toleranz, demokratische Werte sowie die Grundrechte von Mensch und Natur ein.
An der Delegiertenversammlung der Naturfreunde Schweiz im Juni 2026 wurden zahlreiche Statutenanpassungen beschlossen. Am Hinweis auf die parteipolitische Ungebundenheit wollte die Mehrheit jedoch festhalten. Nicht wegen eines Richtungsstreits, sondern um diese Haltung ausdrücklich zu bekräftigen.
Vielleicht spielte dabei auch die Festrede von Nationalrätin und Naturfreundemitglied Jacqueline Badran am Festakt des Hundert-Jahr-Jubiläums unseres Verbands im vergangenen Jahr eine Rolle. Ihr Aufruf zu mehr politischem Engagement der Naturfreunde erinnerte manche an frühere Zeiten, als die Naturfreunde als SP-nahe «Rotsocken» galten. Ich verstehe ihren Appell jedoch anders.
Seit über hundert Jahren setzen sich die Naturfreunde für Freundschaft, Gerechtigkeit und die Natur ein: auf Wanderungen, bei sozialen Aktivitäten, in der Freiwilligenarbeit, bei Projekten für Biodiversität oder mit Bildungsangeboten für Schulklassen. Sie engagieren sich im persönlichen Austausch ebenso wie in der Öffentlichkeit. Und manchmal tun sie dies auch, indem sie politische Instrumente wie eine Petition oder eine Initiative nutzen, um eine Verbesserung unserer Gesetzesgrundlagen einzufordern. Entscheidend ist dabei stets die Frage: Mit welchen Mitteln können wir unsere Werte wirksam vertreten? Manchmal sind es Wanderschuhe oder Werkzeuge, manchmal politische Instrumente.
Ein aktuelles Beispiel ist die Bienen-Initiative, die die Naturfreunde Schweiz mitlanciert haben. Sie verlangt einen verfassungsmässigen Schutz der Bestäuberinsekten. Wie beim Wald oder beim Trinkwasser sollen die Behörden dafür sorgen, dass diese unverzichtbare Grundlage für Ernährung und Biodiversität erhalten bleibt. Politisch sein heisst nicht, Parteien nachzueifern, sondern politische Instrumente zur Verwirklichung unserer Verbandsziele zu nutzen. Und wenn es um die Insekten geht, ist das nötig.
Deshalb lade ich gerne alle Sektionen ein, sichtbar für unsere Werte einzustehen. Tun wir Gutes und sprechen darüber – zum Beispiel beim Unterschriftensammeln für die Bienen-Initiative!

