Impuls des Co-Präsidenten
Liebe Naturfreundinnen und Naturfreunde Eine Schreckensnachricht jagt die nächste: Krieg im Sudan, in Gaza, der Ukraine. Die US-Regierung will sich Grönland einverleiben. Künstliche Intelligenz vernichtet Jobs. […]
Liebe Naturfreundinnen und Naturfreunde
Eine Schreckensnachricht jagt die nächste: Krieg im Sudan, in Gaza, der Ukraine. Die US-Regierung will sich Grönland einverleiben. Künstliche Intelligenz vernichtet Jobs. Demokratiekrise. Klimakrise. Wasserkrise. Femizide. Crans-Montana … Mal ehrlich, wer hält diese Welt noch aus?
Mir fällt es oft schwer. Täglich wächst die Verlockung – wie mittlerweile fast die Hälfte der Schweizer:innen – auf Nachrichten zu verzichten. Den Blick zu richten auf leichte Dinge wie Sport und seichte Unterhaltung. Doch auch die grössten Scheuklappen vermögen die Realität auf Dauer nicht zu verdecken. Irgendwann wird das krampfhafte Vermeiden der Realität genauso deprimierend wie die Realität selbst.
Zum Glück gibt es ein paar Hausmittel, die mir da helfen. Zum Beispiel das berühmte Gelassenheitsgebet von Reinhold Niebuhr. Darin bittet er Gott um «die Gelassenheit, Dinge hinzunehmen, die ich nicht ändern kann, den Mut, Dinge zu ändern, die ich ändern kann, und die Weisheit, das eine vom anderen zu unterscheiden.» Niebuhr bietet klare Kategorien, um die Dinge einzuordnen. Doch im Gegensatz zu ihm mag ich nicht auf die göttliche Eingebung warten, sondern versuche mich selbst daran, die Dinge einzuordnen. Dabei hilft die Erkenntnis, dass es fast nichts gibt, wogegen ich gänzlich ohnmächtig bin. Natürlich kann ich das Klima nicht ändern, aber ich kann Personen und Organisationen unterstützen, die dafür kämpfen. Ich kann an Friedensdemos gehen, kann Blut, Kleider und Geld spenden.
Vor allem kann ich mich aber auch in Selbstfürsorge üben: ich entscheide, welche Anliegen mir wichtig sind und wie ich mich dafür einsetze. Ich entscheide, wann und wie oft ich Newsportale und soziale Medien nutze. Ich bestimme, zu welchen Zeiten ich das tue und merke, welche Kanäle mir guttun. Will ich wirklich Personen und Gruppen folgen, die nur Angst, Trauer und Wut schüren? Oder finde ich Quellen, die ich besser vertrage? Der Entscheid liegt bei mir.
Zur Selbstfürsorge gehört auch, sich Inseln zu schaffen, an denen ich mir erlaube, die Welt auszublenden. Das Telefon weit weg zu legen. Mich auf den Moment zu konzentrieren. Sport, Kochen, schöne Erlebnisse mit Freund:innen und Familie. Und wann immer es geht eine Wanderung.
Wenn dann doch manchmal wieder die Realität über mich hereinbricht, gibt mir eines oft wieder Halt: mein Engagement bei den Naturfreunden. Als Verband gestalten wir unser Land aktiv mit, geben die Liebe zur Natur weiter, schaffen Raum für Dialog, leben Solidarität. Und wir bieten jedes Jahr Tausenden von Menschen unbeschwerte Naturerlebnisse – Glücksinseln in Zeiten der Krise.

