Zu Besuch im Naturfreundehaus Raimeux
Ein neuer, von der Zeitgeschichte auferlegter Name, in der gewohnten Umgebung. Die Naturfreunde-Sektion Raimeux – ehemals Moutier - rückt dem eigenen Haus noch näher.
Über der Landschaft liegt eine dünne Schneeschicht. Blickt man vom 1934 erbauten Haus Raimeux nach Süden, beschert einem die klare Sicht einen prachtvollen Ausblick, Berner Alpen und Chasseral lassen sich gleichzeitig bestaunen. Die relativ abgeschiedene Lage, dazu verschwindend wenig Verkehr, sorgt für eine ruhige Atmosphäre.
Raphaël Minder ist Sektionspräsident und seit seiner Kindheit Mitglied der Sektion Raimeux. Gino Varisco ist seit seinem 15. Lebensjahr Mitglied, bewartet das Haus aber bereits seit 1987. «Bis vor kurzem habe ich zusammen mit meiner Frau alles organisiert. Heute sind die Aufgaben komplexer, weshalb wir die Bereiche Buchungen, Gästebetreuung und Unterhalt auf mehrere Schultern verteilt haben», sagt Gino Varisco. Für ihn sei es nun an der Zeit, kürzerzutreten.
«Zwischen 600 und 800 Übernachtungen pro Jahr haben wir ungefähr. Während Corona gingen sie bis auf 1200 hoch», schätzt Gino Varisco. Früher gab es noch viele Spontanübernachtungen, heute sind diese nur noch ein verschwindend kleiner Teil. Vielmehr sind es frühzeitige Buchungen, die einen Grossteil des Volumens ausmachen. «Dabei sind Drittplattformen eine grosse Hilfe. Wir nutzen gruppenhaus.ch.», sagt Raphaël Minder. Ein zentraler Punkt in der Hausführungspolitik ist erwähnenswert: am Wochenende ist normalerweise ein Hauswart zugegen. Es kann also vorkommen, dass man als Gruppe das Haus nicht ganz für sich allein hat. Dies wird von vielen durchaus geschätzt, der Austausch untereinander wird in diesen Fällen rege gepflegt. Es gibt jedoch auch Gruppen, die genau darum von einer Buchung absehen. Während der Woche hat es keinen Hauswart, doch werden die Gäste von einem Hausverantwortlichen empfangen, der auch vor ihrer Abreise wieder kommt. Neben Familien und Schulklassen aus allen Landesteilen ist das Haus vor allem bei den Pfadfindergruppen aus der Umgebung beliebt. «Einmal hatten zwei Gruppen, die ein grosser Altersunterschied trennte, das Haus gleichzeitig reserviert. Sie kamen blendend miteinander aus, das hat mir sehr gefallen», erzählt Gino Varisco.
Die Sektion selbst nutzt das Haus rege. Jedes Jahr im März wird die Eröffnung der Saison gefeiert. Das Haus erwacht nach seinem Winterschlaf: aus diesem Anlass wird ein sogenanntes «Bouchoyade»-Wochenende organisiert mit einem Festessen für die Mitglieder, die Jahr für Jahr mit dabei sind. Darüber hinaus gibt es pro Jahr vier Putztage, die jeweils mit einer Mitgliederversammlung verbunden sind. Zudem wird zweimal pro Jahr ein Veteranentag organisiert, wobei einer davon ebenfalls im Haus stattfindet. Neben ihren jährlichen Aktivitäten rund ums Haus unternimmt die Sektion zwei Skiausflüge pro Jahr, einer davon für Junioren, einen Kletterausflug, den Gino Variscos Bruder organisiert, sowie verschiedene Rad- und Wanderreisen.
Raphaël Minder beantwortet die Frage nach der Wichtigkeit des Hauses wie folgt: «Die Bewirtschaftung des Hauses kann eine Bürde sein, aber andererseits ist es ein grosser Teil unserer Identität. Gäbe es das Haus nicht, wäre die Sektion anders aktiv. Wir hätten mehr Gelegenheit, andere Sektionen zu besuchen, die ein Haus besitzen. Die Attraktivität unseres Landesverbands liegt ja genau darin, Übernachtungsmöglichkeiten im ganzen Land anzubieten.» Über die Hälfte der Mitglieder kommt mindestens einmal pro Jahr ins Haus, auch wenn sie weiter weg wohnt. Das ist ein Unterschied zu früher, als alle in der Region lebten. Die Rückkehr ins Haus ist immer auch eine Erinnerung an Erlebtes.
Moutier hat bekanntlich per 1. Januar 2026 vom Kanton Bern zum Kanton Jura gewechselt. Da das Haus jedoch auf dem Gemeindegebiet von Grandval im Kanton Bern liegt, hätte das administrative Komplikationen zur Folge gehabt (Steuern, Subventionen, usw.). Deshalb erfolgte die Umbenennung der Sektion von Moutier zu Raimeux sowie die Verlegung des Sitzes nach Grandval. «Kein politischer Entscheid der Sektion», wie Raphaël Minder festhält, «sondern ein administrativer, der aus einer Volksabstimmung hervorging.» Während der Wechsel bei der Zusammenarbeit mit den Behörden administrative Hürden bedeutete, war das Überzeugen der Mitglieder kein Problem.
Was die Herausforderungen für die Zukunft der Sektion betrifft, sind sich die beiden Hausverantwortlichen einig. Es braucht eine Verjüngung. Um dieses Ziel zu erreichen, versucht man vor allem neue Familien für eine Mitgliedschaft zu gewinnen. Was das Haus betrifft, gibt es immer wieder etwas zu tun. So wurde beispielsweise 2024 eine neue Kläranlage installiert, die vom Naturfreunde-Häuserfonds mitfinanziert wurde. Eine weitere Herausforderung sind die Brandschutzvorschriften, die die Sektion auf Trab halten. Die Arbeit geht der Sektion also nicht aus und die grosse Lust am Sektionsleben auch nicht. Der Mix aus erfahrenen und neuen Händen und Köpfen bei der Gestaltung des Sektionslebens klingt nach einem guten Rezept für die Zukunft von Haus und Sektion.
Das Haus ist mit dem öV von den Bahnhöfen Moutier und Crémines aus in einem je zweistündigen Fussmarsch zu erreichen. Das Gruppenhaus verfügt über 40 Betten in 4- bis 10er-Zimmern und eine Küche für Selbstkochende und kann ganzjährig gemietet werden. Alle Infos: www.anraimeux.ch

