Vom Geheimprojekt zum Publikumsmagnet
Der Bau des Naturfreundehauses Rumpelweide in den 1940er-Jahren war ein einzigartiges politischer Husarenstück. Heute ist das Haus hoch über der Stadt Olten ein beliebtes Ausflugsziel in der Region.
Die Entstehungsgeschichte des Naturfreundehauses Rumpelweide ob Olten könnte aus einem Handbuch für das Verfassen von guten Geschichten stammen, denn sie hat alles, was es für eine packende Story braucht: Einen fein austarierten Spannungsbogen mit der richtigen Mischung aus Dramatik und Entspannung, eine Heldenreise mit David-Goliath-Komponenten, einen politischen Coup und ein richtig emotionales Happy End. Dazu kommen starke Bilder von Nacht-und-Nebel-Aktionen, Schneemassen und Regenschauern, harter Arbeit mit blossen Händen und der Blick von oben auf der Rumpelweide hinunter auf die Stadt Olten und umgekehrt, der das Statusgefälle zwischen den Protagonisten umdreht, sowie die fantastische Aussicht, die man von der Rumpelweide aus hat über das Mittelland bis weit in die Alpen hinein.
Schon bald nach ihrer Gründung 1907 kam in der Naturfreunde-Sektion Olten der Wunsch nach einer eigenen Hütte auf, um auch zweitägige Touren unternehmen zu können. 1929 konnte erstmals für zehn Jahre eine Hütte gemietet werden, danach ging die Suche wieder weiter. Insgesamt fast dreissig Jahre lang haben Mitglieder der Sektion mögliche Bauplätze und bereits vorhandene Bauten ausgespäht, unzählige Gespräche und Verhandlungen geführt, Möglichkeiten und Allianzen geprüft, Geld zusammengekratzt und viele, viele Male gehofft, ihren Traum realisieren zu können, bevor er sich wieder zerschlug. Bis sie auf einer Wanderung im Juni 1941 den Platz auf der Rumpelweide entdeckten und wussten, dass ihr Traum nun seinen Bestimmungsort gefunden hatten.
Mit allen Wassern gewaschen
Nach den vielen vergeblichen Verhandlungen der letzten Jahre war der Verein erfahren und abgebrüht genug, um zu wissen, dass er das Land niemals würde kaufen können, wenn er als Naturfreunde Olten – damals noch klar kommunistisch ausgerichtet – fragen würde. Also überlegte er sich eine List und die Verhandlungsdelegation gab sich gegenüber dem Bauern, dem das Land gehörte, als Vater und Sohn aus, die Boden für den Bau eines Wochenendhäuschens suchten. Der Landkauf konnte im Sommer 1941 rasch vollzogen und die Finanzierungs- und Bauplanung an die Hand genommen werden. Diskretion blieb das Gebot der Stunde, um das kecke Vorhaben nicht durch Einsprachen zu gefährden. Bald schon errichteten die Mitglieder eigenhändig das Fundament des Hauses. Steine und Zementsäcke wurden Stück für Stück vor Ort gebracht – nach Feierabend notabene, an den Sonntagen durfte nicht gearbeitet werden. Es war mittlerweile Herbst und die Tage wurden kürzer. Der Hausbau schritt voran – meist im Schutz von Dunkelheit und Nebel, bis der Natur- und Heimatschutzverein doch noch Wind vom Vorhaben bekam und dagegen Einsprache erhob und der Regierungsrat infolgedessen seine bereits erteilte Bewilligung für den Bau am 29. Oktober 1941 zurückzog. Tags zuvor hatte die Sektion bereits Aufrichte gefeiert, für sie gab es kein Zurück mehr. Zudem drängte die Zeit, das Dach musste gedeckt werden, bevor der Herbstregen Schaden anrichten konnte. Wenige Tage später änderte der Regierungsrat glücklicherweise seine Meinung wieder. Die Macht des Faktischen, nämlich dass der Bau schon so weit fortgeschritten war, bewog die Regierung zu dieser pragmatischen Entscheidung.
Die Nacht- und Nebelaktion der Naturfreunde stiess bei Solothurner Bürgerlichen auf wenig Wohlwollen. Sie machten Druck auf den kantonalen Baudirektor, der in der Folge die Juraschutzzone schuf. Diese gilt seit 1942 und umfasst 60 Prozent der Solothurner Kantonsfläche – vor allem Landwirtschaftsland und Wald. Die Schutzzone regelt, was gebaut werden darf und wie die Bauten auszusehen haben, nämlich so, dass sie in die Landschaft passen.
Gemeinsam für die Gemeinschaft
Nach der dramatischen Entstehungsphase haben sich der Bau und der Betrieb auf der Rumpelweide stetig weiterentwickelt und wurden über die Jahre den veränderten Gegebenheiten angepasst. So kochen die Hüttenwirt:innen seit vielen Jahren nicht mehr nur für Mitglieder der Naturfreunde, sondern vor allem für externe Gäste. Das Haus, das aus dem Nebel kam, ist in Olten längst eine geschätzte Institution für den Wochenendausflug oder das Schullager geworden. Die jüngste Umbauphase wurde diesen Frühling abgeschlossen. Sie hat dem Haus umgebaute Schlafräume, neue Fluchtwege, zusätzliche Duschen, Isolation sowie ein neues Dach beschert.
Das Wichtigste aber hat sich die Sektion in all den Jahren, trotz aller Veränderungen und zeitgeistiger Herausforderungen, in der Rumpelweide bewahrt: Die Naturfreunde-Idee, die sich in Gemeinschaftlichkeit, Solidarität und Freiwilligkeit äussert. Das hat viel mit den Vorstandsmitgliedern zu tun, die die Geschicke der Sektion in dieser Tradition leiten. Aber vor allem auch mit jedem und jeder Einzelnen, der/die sich für die Sektion engagiert, sei es beim Umbau, bei der Gestaltung einer naturnahen, artenreichen Hausumgebung, beim Hüttendienst, hinter den Kulissen und für das Aktivitätenprogramm.
Beispielsweise Roland Jakob, der das Haus bereits als Kind kannte und schon lange wusste, dass er nach der Pensionierung hier aktiv werden möchte. Seine Küche kann mit manch bekanntem Restaurant mithalten und ist zudem stets saisonal und regional. Oder Hannah Küffer, die seit vielen Jahren im Vorstand für die Führung des Hauses verantwortlich ist und gleichzeitig als gute Seele, unermüdliche Chrampferin, begeisterte Motivatorin und geschickte Strategin amtet. Oder Röbi Ackermann, verantwortlich für das technische Innen- und Aussenleben des Hauses, und damit ein klassischer Hinter-den-Kulissen-Tätiger, ohne den vor den Kulissen gar nichts gehen würde.
Das Haus ist von Olten aus in 1,5 und von Wangen bei Olten in 1 h Fussmarsch erreichbar. Mittwochs (10–17 Uhr) und sonntags (12–16 Uhr) ist das Haus für Restaurantgäste geöffnet. Das Gruppenhaus verfügt über 4 Schlafräume mit insgesamt 26 Betten und kann ganzjährig gemietet werden. Alle Infos: naturfreundeolten.ch

