Drei wie Pech und Schwefel
Hoch über dem Talboden des Urner Schächentals thront das Naturfreundehaus Rietlig, von dem aus die Gäste einen fantastischen Blick haben auf das Reusstal und die umliegenden Berge und wo sie hervorragend bewirtet werden.
Gesucht und gefunden. Auf diese kurze Formel könnte man die Beziehung des Rietlig-Pächterpaares zum Naturfreundehaus im Schächental bringen. Und umgekehrt scheint auch das Haus auf die richtigen Pächter:innen gewartet zu haben und macht einen richtiggehend wachgeküssten Eindruck. Zumindest der Garten rund ums Haus wirkt so, als blühe er auch vor Freude über die sorgfältige Pflege, die er seit drei Jahren erhält.
Dabei haben Marlis Scherrer und Sandro Frei eigentlich gar nicht unbedingt nach einem Haus gesucht, das sie pachten können. Doch als sie das Inserat der Naturfreunde-Sektion Baden sahen, dass für das Haus neue Gastgebende gesucht werden, hat einfach alles gepasst. Dass beide viel Erfahrung als Köchin und Koch und allgemein aus der Gastronomie mitbringen, dass Marlis Scherrer den Hüttenwartkurs des SAC absolviert hatte, dass beide die Natur und die Berge lieben, dass Sandro Frei ganz in der Nähe die ersten Lebensjahre verbracht hatte und Marlis Scherrer auf einem Bauernhof aufgewachsen ist und vielleicht auch, dass der Garten auf die grünen Daumen der beiden gewartet hatte.
Die schönste Terrasse im Tal
Das Naturfreundehaus Rietlig auf 1638 m. ü. M. oberhalb von Spiringen im Urner Schächental ist nur zu Fuss erreichbar. Von Spiringen aus fährt die Luftseilbahn «Ratzi» in die Nähe, vom Klausenpass herkommend führt der Höhenweg Schächental nah oberhalb des Hauses vorbei, der die Via Alpina verlängert, die etwas früher ins Tal abzweigt und etwas weiter weg die ViaSuworow vom Muotathal her. Im Winter ist das vordere Schächental mit dem Rietlig ein Wintersportgebiet für alle, die die kleinen, feinen Destinationen dem grossen Trubel vorziehen. Skifahren, Winterwandern, Schneeschuhtouren, Langlaufen – im Schächental, das als sehr schneesicher gilt, ist alles möglich.
Die Rietlig-Hütte ist bis auf April und November das ganze Jahr über für Gäste geöffnet. Es gibt insgesamt 39 Schlafplätze in elf einfach eingerichteten Zimmern (2er bis 6er), die mit Halbpension oder Lunchpaket gebucht werden können. Ab 20 Personen kann auch das ganze Haus gemietet werden. Von Mittwoch bis Sonntag ist das Rietlig als Restaurant auch für externe Gäste geöffnet. Kenner:innen der Region sind sich einig, dass es weit herum keine schönere Terrasse gibt als die des Naturfreundehauses.
Gemeinsam für die Region
Ebenfalls herumgesprochen hat sich, dass im Rietlig hervorragend gekocht wird. Die Küche ist einfach, aber köstlich und ganz der Nachhaltigkeit verpflichtet. So stammen alle Zutaten aus der unmittelbaren Umgebung oder Region, Salat, Gemüse, Kräuter und Beeren sogar teilweise aus dem eigenen Garten und alle Gebäcke von Brot bis Guetzli sind selbst gemacht. Hochverarbeitete Produkte wie etwa vegane Fleischersatzprodukte werden im Rietlig nicht serviert. Fleisch- und vegetarische Gerichte halten sich ungefähr die Waage, vegane Menus sind möglich mit Zutaten, die die Natur von sich aus anbietet. Die Gäste belohnen das Engagement und Können der beiden Gastgebenden übrigens mit hervorragenden Bewertungen bei Google.
Sandro Frei und Marlis Scherrer sind ins Rietlig gekommen, um zu bleiben. Nicht nur haben sie einen wunderbaren Garten angelegt, auch das Innere des gemütlichen Hauses trägt die Handschrift der beiden in Form von kleinen, dekorativen Eingriffen, die von Stil zeugen und Gemütlichkeit verströmen. Und sie haben sich mit den Menschen vernetzt, die ebenfalls in der Region leben und arbeiten. So können sie mithelfen, die Gegend zu entwickeln und gemeinsam Lösungen zu finden, wenn sich Herausforderungen stellen.

