Unter der Sonne wie im Himmel
Zum Naturfreundehaus Sonnenberg bei Einsiedeln pilgert, wer Ruhe, Weitsicht und Sonne sucht sowie eine Gruppenunterkunft, die kaum Wünsche offenlässt.
Einen schöneren Fleck Erde in dieser Gegend hätten die Naturfreunde-Sektionen des damaligen 8. Bezirks nicht finden können, als sie 1925 in Egg bei Einsiedeln ein Grundstück kauften. 2000 Quadratmeter Fläche, ein Quellenrecht und eine sogenannte Hagpflicht inklusive. Hier wollten sie ihre Ferien günstig verbringen und Ski fahren. (Welch schöne Zeiten, als man für Ferien nicht mehr als zwanzig Kilometer fahren musste, um glücklich zu werden!) In Rekordzeit erstellten die Mitglieder in Fronarbeit ihr Ferienheim auf gut 1000 m ü. M. und genossen bereits ab 1926 unter dem Stöcklichrüz die Sonne und die Aussicht auf den Sihl- und den Zürichsee.
Der Hüttenbetrieb begann gleich nach der Einweihung zu brummen. 1930 wurden ganze 4800 Übernachtungen gezählt, ca. ein Viertel davon waren Externe, die für die Übernachtung 1.60 Franken (im Winter 2 Franken) bezahlten. Ab 1932 wurde der Hüttenbetrieb von der Weltwirtschaftskrise in Mitleidenschaft gezogen. Weil die Arbeitslosigkeit in der Arbeiterschaft derart zunahm, wurden die Taxen für Menschen, die ihre Arbeit verloren hatten, um 50 Prozent reduziert, was zu einer Schmälerung des Betriebsergebnisses führte.
Das Schiff steuert in den sicheren Hafen
In den Kriegsjahren quartierte sich zuerst das Militär im Naturfreundehaus Sonnenberg ein, später dann polnische Internierte. Zwar erhielten die Naturfreunde für diese Gäste etwas Geld, trotzdem wuchsen die finanziellen Sorgen. 1943 wurde erstmals ein Verkauf der Hütte diskutiert – eine Diskussion, die in den folgenden Jahren wiederholt geführt wurde. 1952 wurden die Naturfreunde-Kantonalverbände neu organisiert und die Bezirke als Organisationseinheit aufgehoben. In der Folge gründeten die Sektionen des ehemaligen 8. Bezirks eine Hausgemeinschaft und gaben sich eigene Statuten. Die neue Hausgemeinschaft musste noch einige Stürme aushalten und hitzige Diskussionen führen, bis ab 1967 im Sonnenberg Ruhe und Stabilität einkehrten.
Als alle wieder gemeinsam am gleichen Strick zogen und sich auch die finanzielle Situation gut entwickelte, packte die Hausgemeinschaft die baulichen Herausforderungen an, die sich in den vergangenen Jahren summiert hatten. Seither wird mit grosser Weitsicht und kontinuierlich am Haus erneuert und geändert, was gerade ansteht. Der letzte grosse Umbau, der der Herberge ihre heutige Form gab, erfolgte 2010. Dieses Jahr feiert das Haus bereits seinen 100. Geburtstag.
Ein architektonisches Charakteristikum des Naturfreundehauses Sonnenberg ist seine Geräumigkeit. Angefangen beim grosszügigen Treppenhaus mit Panoramafenstern, den weitläufigen Fluren und den Zimmern, die auch Stauraum bieten, bis hin zu den Sanitärräumen, die in grosser Zahl vorhanden sind, gibt es hier keine engen, dunklen Ecken. Auch die Küche und der Aufenthaltsraum bieten viel Platz, ebenso wie die Terrasse und der Garten mit diversen Spiel- und Sportmöglichkeiten.
Insgesamt gibt es im Sonnenberg 43 Betten in 1er- bis 6er-Zimmern sowie ein geräumiges Zimmer für den Hüttenwart oder die Hüttenwartin. Wer das Haus mieten will, muss ein gutes Jahr im Voraus planen, denn es wird sehr fleissig gebucht. Seit Corona wird es als reines Selbstkocher-Gruppenhaus geführt, davor boten Freiwillige an den Wochenenden Verpflegung an für Tagesgäste und Wandernde. Erreichbar ist das Haus, das absolut ruhig, sonnig und verkehrsfrei gelegen ist, in 30 Minuten zu Fuss ab dem Postautohalt Egg. Wer mit dem Auto zum Haus fahren will, braucht eine Fahrbewilligung.
Was gemeinsam möglich ist
Seit 2021 besteht die Hausgemeinschaft aus den Sektionen Stäfa, Rüti-Tann-Bubikon, Wetzikon und Züri. Gelegentlich finden hier noch Sektionsanlässe statt – manchmal auch von Sektionen, die nicht der Hausgemeinschaft angehören. Die strategische Verantwortung für das Naturfreundehaus wird von einem Vorstand wahrgenommen, der sich aus Mitgliedern der Sektionen zusammensetzt.
Die tolle Lage mit schöner Aussicht, die grosszügige Architektur, die zahlreichen Wandermöglichkeiten in der unmittelbaren Umgebung – das alles macht das Naturfreundehaus Sonnenberg zu einem besonderen Ort. Aber auch seine bemerkenswerte Geschichte, die von gemeinsamer Fronarbeit, von hart verhandelten Kompromissen und von leidenschaftlichen Menschen erzählt und auch davon, was Naturfreund:innen alles miteinander erreichen können, wenn sie sich für ihre Werte und Ziele einsetzen.

