Eine Volksinitiative für die Bienen
Die Naturfreunde Schweiz lancieren zusammen mit weiteren Organisationen eine Volksinitiative für den Schutz von Bienen und anderen Bestäuberinsekten. Denn diesen geht es schlecht und das gefährdet die Versorgung mit Lebensmitteln sowie die Natur als Ganzes.
Manchmal kann Kunst tatsächlich die Welt verändern. Ein solches Kunstwerk, das die Welt ein Stück weit gewandelt hat, ist etwa der Dokumentarfilm «More than Honey» des Schweizer Regisseurs Markus Imhoof aus dem Jahr 2012*. Der Film thematisiert das weltweite Bienensterben und katapultierte es mit drastischen Bildern ins öffentliche Bewusstsein. «More than Honey» hat die Menschen berührt und sie für das weitreichende Sterben von Bienen und anderen Insekten sensibilisiert. Die Zivilbevölkerung in der Schweiz wurde daraufhin aktiv. 2012 wurde eine Petition mit 80 000 Unterschriften eingereicht, 2018 kamen bei der Petition der Naturfreunde Schweiz «Insektensterben aufklären» gar 165 000 Unterschriften zusammen.
Auch das Schweizer Parlament wurde in der Folge aktiv und hat 2013 eine Motion überwiesen, die den Bundesrat beauftragt, ein Massnahmenpaket zum Schutz der Bienen zu beschliessen. Der Motion folgten bis 2024 vier weitere, die allesamt Aspekte eines gesunden Insektenbestands und der Gewährleistung der Bestäubungsleistung durch Insekten zum Thema haben. Vier der fünf Motionen wurden ohne Gegenstimmen überwiesen. Geschehen ist – viel zu wenig. Obwohl der Bundesrat den dringenden Handlungsbedarf anerkennt, sieht er beispielsweise im «Aktionsplan Biodiversität 2025 bis 2030» nur gerade drei Millionen Franken für die Bekämpfung des Insektensterbens vor. Für insgesamt sechs Jahre. Das ist viel zu wenig. Zumal die Ursachen für das Insektensterben ebenso sattsam bekannt sind wie die Massnahmen, die dagegen unternommen werden müssten.
*«More than Honey» kann bei Play Suisse (www.playsuisse.ch) gratis gestreamt werden.
Ohne Insekten keine Natur
Insekten sind Nahrungsquellen für viele Vögel, Fische, Amphibien und Säugetiere, sie bauen fruchtbare Böden auf, kontrollieren Schädlinge, verbreiten Samen und sie sind verantwortlich für die Bestäubung von Wild- und Kulturpflanzen. Als Faustregel lässt sich sagen, dass alle Pflanzen, die farbig blühen und stark durften, von Insekten bestäubt werden und alle anderen vom Wind. Die Bestäubung durch Insekten ist lebenswichtig für unsere Ernährung. Rund 84 Prozent der in Europa angebauten Nutzpflanzen sind auf sie angewiesen. Jeden dritten Bissen verdanken wir der Bestäubung durch Insekten: Beeren, Äpfel, Kirschen, Tomaten und Rüebli, dazu Raps, Sonnenblumen und ein grosser Teil unserer einheimischen Saatgutproduktion. Doch auch unsere Gärten, Wälder und Wiesen, die Alpenflora, Moore und Feuchtgebiete – die gesamte Natur braucht Insekten, um zu überleben.
Es gibt also keine Alternative zur Rettung der Insekten. Wenn der Bund aber zu wenig tut, muss die Zivilbevölkerung wieder aktiv werden. Deshalb hat der Vorstand der Naturfreunde Schweiz entschieden, das Engagement der Naturfreunde für den Erhalt von Insekten nach der erfolgreichen Petition von 2018 weiterzuführen. Zusammen mit den Imkerverbänden aus der Deutschschweiz, dem Tessin und der Romandie sowie der Stiftung Future 3 haben die Naturfreunde Schweiz am Mai 2026 die Bienen-Initiative mitlanciert («Für die Sicherung der Bestäubung von Kultur- und Wildpflanzen durch Insekten»). Die eidgenössische Volksinitiative will die Sicherung der Bestäubung in der Verfassung verankern. Damit würden die Grundsätze des Schutzes der Natur, die bereits in der Schweizer Bundesverfassung festgeschrieben sind, um das Thema der lebensnotwendigen Bestäubung ergänzt.
Die Initiative schreibt nicht vor, wie das Ziel der Sicherung der Bestäubung erreicht werden soll. Aber sie nimmt Bund und Kantone in die Pflicht, diese Sicherung durch die Bereitstellung der notwendigen finanziellen Mittel und personellen Ressourcen zu erreichen, zusammen mit allen Beteiligten, die durch ihre Tätigkeit einen Einfluss auf das Wohlergehen der Insekten haben. Dabei sollen Anreize und nicht Verbote das Mittel der Wahl sein.
Die Freundschaft mit der Natur verpflichtet
Ihre ersten Statuten haben die Naturfreunde Schweiz 1925 «Satzungen» genannt. Unter einer Satzung kann auch eine Verfassung verstanden werden. In ihrer ersten «Verfassung» also haben die Naturfreunde die «Pflege von Heimatschutz und Naturschutz» als einen der Verbandszwecke definiert. Seither zieht sich das Engagement für den Schutz der Natur durch die Vereinsgeschichte – in wechselnder Form und Intensität, aber ohne Unterbruch. Aus Liebe zur Natur und weil man mit ihr mit der Namenswahl einen Freundschaftsbund eingegangen ist, aber auch ein Stück weit aus Eigennutz. Denn wo soll man wandern, bergsteigen, Ski fahren und Häuser betreiben, wenn die Natur zerstört ist?
Alle Sektionen und Häuserträgerschaften sind eingeladen, sich für die Bienen-Initiative zu engagieren. Beim Unterschriften-Sammeln kommt man mit Menschen ins Gespräch und kann ihnen über die Naturfreunde erzählen. Die Initiative ist auch Werbung für die Naturfreunde, weil man sich damit in der Öffentlichkeit zeigen kann. Die Geschäftsstelle unterstützt die Sektionen dabei mit Unterschriften-Sammelkarten, Argumentarien, Fahnen und Veranstaltungsideen.
Gemeinsam mit unseren Partnerorganisationen wollen wir bis November 2027 100 000 gültige Unterschriften sammeln, um der Politik zu zeigen, dass die Zivilbevölkerung sich um den Zustand der Insekten sorgt und dass sie verlangt, dass dieses Thema mit dem notwendigen Nachdruck angegangen wird.
Alle Infos zur Initiative: naturfreunde.ch/bienen-initiative

