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Aus dem Landesverband

Wo die Natur die Menschen braucht

In der Naturfreunde-Waldarbeitswoche haben sich die Teilnehmenden in den Paradedisziplinen der Naturfreunde betätigt: Einsatz für die Umwelt, Gemeinschaft pflegen und körperlich aktiv sein in der Natur.

Christine Schnapp
11.12.2025, Naturfreund 4/25
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Das gehört zur Weidepflege: Grosse Steine zu Haufen zusammentragen, Büsche und Nadelbäumchen abschneiden oder ausreissen und so aufschichten, dass sie von Wind und Wetter nicht weggetragen werden, Abfall sammeln und grosse Äste aufschichten. Foto: Christine Schnapp

Fünf Mahlzeiten! Pro Tag! Es ist nicht das frühe Aufstehen, das bei einigen Neo-Waldarbeiter:innen bei der Vorbesprechung des Tagesablaufs der Waldarbeitswoche am meisten Aufmerksamkeit erweckt, sondern die Ankündigung des Mahlzeitenrhythmus‘. Während die Gedanken besorgt zum Bauchumfang wandern, ritzt die Präsentation des Tagesablaufs bereits zum zweiten Mal stark die Grenzen der Komfortzone: Körperlich streng arbeiten in steilem Gelände oder körperlich sehr streng arbeiten in sehr steilem Gelände?

Doch die Menschen, die sich an diesem Abend im Speisesaal des Naturfreundehauses Brambrüesch versammelt haben, sind ja gerade deshalb hier, weil sie ihre alltäglichen Komfortzonen bewusst verlassen wollen – zumindest ein Stück weit. Und so verwandeln sich die besorgten Gedanken rasch wieder in Vorfreude auf das Neue des nächsten Tages, bleiben aber bei der Einschätzung des eigenen Arbeitsleistungsvermögens trotzdem realistisch: streng und steil erhält bei den meisten den Vorrang vor sehr streng und sehr steil.

Über den Flyer der Naturfreunde Schweiz habe ich von dieser Woche erfahren und war sofort Feuer und Flamme, weil ich dies schon lange einmal im Sinn hatte. Nun ist diese Woche Geschichte und ich bin immer noch sehr begeistert davon. Zusammen mit Gleichgesinnten etwas Gutes für den Schutzwald und die Weidepflege zu tun, war motivierend und hat Spass gemacht.

Andrea Jeger, Mitglied Landesverband

Das Beste aus zwei Organisationen

Waldarbeitswoche – was bei den Naturfreunden Neuland ist, ist bei der Stiftung Bergwaldprojekt Kernkompetenz; bereits seit 1987 organisiert die Stiftung mit Sitz im bündnerischen Trin Einsätze, in denen Laien unter der Anleitung von Fachleuten in Bergwäldern tätig werden. Deshalb haben die Naturfreunde Schweiz für die Organisation der Waldarbeitswoche im Rahmen des Jubiläums mit der Stiftung Bergwaldprojekt zusammengespannt. Ziel der Woche waren der praktische Einsatz im Wald und die Vermittlung von Wissen über das faszinierende Ökosystem von Bergwäldern. Start war am 14. September 2025 im Naturfreundehaus Brambrüesch bei Chur. Mit dabei gut zwanzig Teilnehmende sowie vier Verantwortliche der Stiftung. Der erste Abend diente dem gemeinsamen Kennenlernen und dem Vorstellen des Tagesablaufs, wie er in jeder Waldarbeitswoche ähnlich gilt und beim ersten Vernehmen für Staunen sorgen kann: Frühstück um 6.30 Uhr, Arbeiten im Wald von 7.30 bis 17 Uhr mit drei Pausen, 18.30 Uhr Abendessen.

Auf diesen Wegen bewegen sich die Forstarbeitenden, wenn sie im Winter mit der Waldpflege beschäftigt sind – eine Arbeit, die im steilen Gelände fast ohne Maschinen auskommen muss. Foto: Johannes Riese
Glückliche Gesichter. Foto: Christine Schnapp

Eine Arbeit, die glücklich machen kann

Am nächsten Morgen wurde schnell klar, dass fünf Mahlzeiten pro Tag in einer Waldarbeitswoche kein Luxus sind und die Pausen herzlich willkommen. Denn die Arbeit ist streng. Die Gruppe «sehr streng und sehr steil» arbeitete im Wald an der Wiederherstellung von Wegen für die Forstarbeitenden. Kraft, Trittsicherheit und Schwindelfreiheit waren für diese Arbeiten unbedingte Voraussetzungen. Die zweite Gruppe arbeitete als Weidepfleger:innen. Dies bedeutet vor allem viele Höhenmeter hinauf und hinab den ganzen Tag, die richtig in die Beine gehen.

Die meisten, die sich für die Woche angemeldet haben, sind in ihrem Berufsalltag nicht in erster Linie körperlich tätig und deshalb von der physischen Arbeit besonders herausgefordert. Was alle eint, ist die Idee, mit der Arbeit in dieser Woche der Natur etwas «zurückgeben» zu können und dabei in Kauf zu nehmen, körperlich an die Grenzen zu gehen. Das erklärt dann wohl auch, warum die meisten Gesichter in dieser Woche meistens glücklich aussahen, denn so streng die Arbeit ist, so befriedigend ist sie auch, weil sie ein Gemeinschaftsprojekt ist, das unmittelbar ein gutes Resultat für die Natur hervorbringt.

Die Waldarbeitswoche ist ein unkonventionelles Freizeiterlebnis; gestalterisch gemeinschaftlich in der Natur arbeiten und dabei u. a. austesten, wo die eigenen Grenzen sind.

Ralph Langenberger, NF-Sektion Kloten

Zu einer Waldarbeitswoche gehört, wie bereits erwähnt, auch die Wissensvermittlung. Und so erfuhren die Teilnehmenden am zweiten Abend unter anderem, warum Bergwälder heute ohne menschliche Eingriffe ihre Schutzfunktion nicht mehr wahrnehmen könnten und es für den Erhalt der Biodiversität in Berggebieten beispielsweise wichtig ist, dass Weiden von der Verbuschung freigehalten werden. Arbeiten, die immer wieder von neuem notwendig sind und deshalb endlos viele helfende Hände brauchen.

Zum Bergwaldprojekt
Autor:in

Christine Schnapp

Christine Schnapp ist Redaktorin des «Naturfreund», Buchautorin und arbeitet freiberuflich als Lektorin und Produzentin. In ihrer Freizeit hört sie gerne den Lebensgeschichten anderer Menschen zu oder geniesst in den Bergen die Stille.

Redaktion: christine.schnapp@naturfreunde.ch

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