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Am Wegrand

Freiheit aus dem Baum?

1799» ist ein Schauspiel, das diesen Sommer in Buch am Irchel aufgeführt wurde. Thema: Der 2. Zürichkrieg. Vom Text über falsche Häuser, französische, österreichische Kavallerie, Kuh, […]

Bernd Steiner
11.12.2025, Naturfreund 4/25
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Der Freiheitsbaum in Ellikon an der Thur. Foto: Boris Billaud

1799» ist ein Schauspiel, das diesen Sommer in Buch am Irchel aufgeführt wurde. Thema: Der 2. Zürichkrieg. Vom Text über falsche Häuser, französische, österreichische Kavallerie, Kuh, Kalb und verbotene Liebe – alles selbstgemacht und selbstgespielt. Ein tolles Spektakel und das ganze Zürcher Weinland hats gesehen.

Freiheitsbäume waren nicht dabei. Freiheit, Gleichheit, Brüderlichkeit hatte man 1798 gefeiert, als die Franzosen noch brüderlich einmarschierten. Freiheitsbäume waren geschälte Fichten mit belassenem Wipfel, meistens aber gepflanzte Jungbäume aller Art, geschmückt mit Girlanden und den drei Bändern der Freiheit und der anderen -heiten. Die ersten freilich standen schon 1792 im preussischen Neuenburg und bei Genf, der nächste 1795 in Stäfa.

1798 marschiert die Revolutionsarmee persönlich ein, in Basel wird mit Pomp, einem französischen Bataillon, den Basler Honoratioren und dem ganzen Volk ein nackter Freiheitsbaum aufgerichtet und danach geht es richtig los im Land der Befreiten. Innert zwei Wochen stehen von St. Gallen bis Genf 7000 Freiheitsbäume. Die letzten über 200-jährigen sind – eindrücklich gross – die Platane von Ellikon an der Thur und die Platane von Cully in der Waadt.

Der Freiheitsbaum ist ein Gewächs der Französischen Revolution. Den ersten stellte Graf Camille d’Albon als geschälte Stange auf, den zweiten lässt Ludwig XVI. persönlich pflanzen. Sie ahnen die Gefahr, dass der Funke vom amerikanischen Unabhängigkeitskrieg überspringen könnte und versuchen, sich beim Volk anzubiedern.

1795 stehen in Frankreich ungefähr eine halbe Million Freiheitsbäume. Die Nationalversammlung erlässt ein Reglement, welche Baumart für Freiheit und welche für die anderen -heiten zu stehen habe. Das Volk schert sich nicht darum und pflanzt am liebsten Pappeln, Peupliers, weil es darin seinen eigenen Namen sieht: Peuple. Die Kulte um die Freiheitsbäume sind grotesk, absurd, sie werden wie Menschen behandelt, abgestorbene auch so begraben. Als Napoleon Kaiser ist, werden sie in «Kaiserbäume» umbenannt. Nach dem Zusammenbruch der Pariser Kommune 1871, lässt Napoleon III. alle, die noch stehen, umhauen.

In der Schweiz sind sie langlebiger, ihre Symbolik wird aber beliebig – mal für dieses, mal gegen jenes. Sie haben sich in «Forderungs-Bäume» verwandelt. Zuletzt 1975 als Symbol gegen das AKW Kaiseraugst.

Autor:in

Bernd Steiner

Bernd Steiner war lange Journalist. Mit seiner verstorbenen Frau, der Fotografin Verena Eggmann, gründete er das Internationale Baum-Archiv und führte es mit seiner jetzigen Frau, der Naturpädagogin Silvia Haubensak, bis 2007 als Museum in Winterthur. Er lebt heute als Schriftsteller und Lyriker bei Winterthur.

Redaktion: christine.schnapp@naturfreunde.ch

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