Grundrecht auf Lärm, Dreck und Gestank auf Schweizer Passstrassen?
Passüberquerungen sind die Königsdisziplin des Velofahrens. Die Befriedigung, wenn nach einiger Anstrengung die Passhöhe erreicht wird, kann bei motorisierter Befahrung nicht einmal ansatzweise erlebt werden. Alles […]
Passüberquerungen sind die Königsdisziplin des Velofahrens. Die Befriedigung, wenn nach einiger Anstrengung die Passhöhe erreicht wird, kann bei motorisierter Befahrung nicht einmal ansatzweise erlebt werden. Alles gut also?
In der Schweiz leider nein. Der velofahrende Gast ist in den Köpfen der meisten verantwortlichen Personen in unseren Passregionen immer noch nicht angekommen. Am besten sieht man das an der Aufstellung für die Saison 2026, die auf der Webseite des Vereins FreiPass einsehbar ist: In den französischen Alpen gibt es 38 Tage, an welchen ein Pass nur für Velofahrende geöffnet ist, in Italien gar 41 Tage, in der Schweiz sind es ganze 10. Besonders mager sieht die Bilanz in der Hauptferienzeit Juli und August aus: Nur die Tremola ist während des Granfondo San Gottardo am 23. August den teilnehmenden Cyclisti vorbehalten. In Frankreich und Italien gibt es gleichzeitig über 40 (!) Anlässe. Verwundert es jemanden, dass die velofahrenden Gäste ihre Sommerferien lieber im Ausland verbringen als in der Schweiz?
Klassiker wie beispielsweise die Alpe d’Huez oder der Galibier sind sogar mehrere Male während der Sommersaison für den motorisierten Verkehr gesperrt. Nebst dem sehr positiven Image (Umwelt, viel weniger schwere Unfälle, Gesundheit, Soziales) sind diese Anlässe offensichtlich auch gut fürs Geschäft.
Autofreie Tage auf Passstrassen der Alpen gibt es seit über dreissig Jahren. Anlässe wie beispielsweise Sellaronda Bikeday oder Stelvio Bike ziehen viele Tausend Besucher:innen an. Auch in der Schweiz gibt es Erfolgsgeschichten, insbesondere den Slow Up Albula und das Klausen Monument. Beide Anlässe gehen auf die Initiative des Vereins FreiPass zurück.
Temporär autofreie Tage auf Passstrassen sind auch für Wandernde spannend: Endlich einmal die alten Saumwege ohne Verkehrslärm geniessen, was gibt es Schöneres?
Es wäre sehr zu wünschen, dass es regelmässig eine Alternative gäbe zum gewohnten Lärm, Dreck und Gestank auf den Schweizer Alpenpassstrassen. Die ersten Schritte wären neue Anlässe auf Pässen, welche unten durch einen Tunnel für den motorisierten Verkehr aufweisen, also Furka, Gotthard, Flüela, San Bernardino und weitere. Aber eigentlich wäre es das Minimum von Anstand und Rücksichtnahme auf die schwächeren Verkehrsteilnehmenden, wenn es auf jedem Pass mindestens einen motorfahrzeugfreien Tag pro Jahr gäbe!
Alle Infos: freipass.ch

