Unternehmerisches Handeln (wollen wir das?)
Unsere NFH wurden ursprünglich durch und für unsere eigenen Mitglieder erbaut und betrieben. Der heutige Finanzbedarf bedingt, dass wir auch Nicht-Mitglieder beherbergen. Wir vermischen damit den Eigenbedarf mit der Notwendigkeit der Finanzierung unserer Häuser durch die Vermietungen/Leistungen an Dritte. Damit mutieren die NFH etwas in Richtung Unternehmen. Egal wie man diesen Umstand qualifizieren möchte, es wird eigentliches unternehmerisches Handeln notwendig. Ein Freiwilligenbetrieb schliesst das nicht aus. Aber auch günstige Begegnungsorte benötigen finanziellen Spielraum für ihre Leistungen und sporadisch für Sanierungsarbeiten. Die Betrachtungsweise als nicht-profitorientierter Verein muss mit der rechtlichen Betrachtung, dass Verpflichtungen eingehalten werden müssen, übereinstimmen. Herzblut ist im Betrieb unserer NFH wichtig, reicht aber nicht aus, um auch weiterhin in Konkurrenz mit den anderen 5000 Gruppenhäusern in der Schweiz bestehen zu können. Ein minimales unternehmerisches Verhalten ist zwingend notwendig.
Betriebsmodell
Um als NFH bestehen zu können, muss jedes Haus seinen Markt kennen. Dies beinhaltet als Kernelement neben den eigenen Leistungen auch das Kennen der Partner (nahe gelegene NFH), Mitbewerber und der Kundschaft. Daraus wird abgeleitet, wie die Leistung erbracht und wo sie beworben wird. Letztlich münden die Erkenntnisse in einem Betriebsmodell.
Das Betriebsmodell beschreibt das Prinzip, nach dem das NFH Werte schafft, vermittelt und erfasst. Es ist ein konzeptionelles Hilfsmittel, das die Logik erklärt, wie das NFH Geld verdient und den Erhalt des Hauses längerfristig sichern kann. Dazu sind gewisse Komponenten notwendig, die unter sich interagieren. Im Betriebsmodell wird beschrieben, welche Leistungen an welche Kunden über welche notwendige Architektur und Partner-Netzwerke angeboten werden. Es geht darum das Werte-Angebot zu erstellen, vermarkten und auszuliefern.
Prozess
Durch technologische Entwicklungen und sich verändernde Kundenbedürfnisse ist ein Betriebsmodell nicht statisch, sondern muss sich jeweils den veränderten Parametern anpassen. Die Erarbeitung eines Marktkonzeptes / Betriebsmodells ist deshalb als wiederkehrender Prozess zu verstehen.

Als Standortbestimmung dient eine SWOT Analyse (Stärken, Schwächen, Chancen, Risiken), je nach Haus auch begleitet durch eine Umfeldanalyse. Daraus sind die geeigneten Strategien und Massnahmenpläne abzuleiten.
Methode
Der unten beschriebene Prozess basiert auf dem Business Model Canvas. Wenn ihr euch für euer Haus diese Fragen überlegt und gezielt beantworten könnt, habt ihr den Anfang eures Betriebsmodells erstellt. Danach geht es darum, dieses auch erfolgreich umzusetzen.
Modell

Kunden (Customer)
Jedes Unternehmen hat eine bestimmte Zielgruppe im Auge oder ist zumindest auf der Suche nach Marktsegmenten, die einen hohen Nutzen von ihrem Produkt oder ihrer Dienstleistung haben. Von einer kleinen Nische bis zum Massenmarkt kann hier alles drin stehen. Vielleicht handelt es sich auch um einen “Multi-sided Market”, in dem der User nicht gleich der Kunde ist, wie z.B. bei der Google Suche (User: Suchender / Kunde: Advertiser). Durch kontinuierliche Kundenbeobachtung sollte das Bild der Kundensegmente immer klarer werden und optimal zum Kundennutzen passen. Wer sind eure Zielgruppen?
Nutzen (Value Propositions)
Unternehmen, egal welcher Grösse, haben im Grunde nur eine zentrale Aufgabe. Sie lösen bestimmte Probleme ihrer Kunden oder befriedigen ein Bedürfnis. Dieses Nutzenversprechen wird im Business Model Canvas “Nutzen“ genannt. Die vom NFH angebotenen Leistungen können stylischer, edler, günstiger, ökologischer, sozialer oder einfach nutzerfreundlicher sein, als diejenigen, die es sonst schon gibt, um das Bedürfnis des Kundensegments zu lösen. Welchen Nutzen haben eure Gäste, wenn sie mit euch zusammenarbeiten?
Vertriebskanäle (Channels)
Hier beschreibt ihr, wie ihr mit euren Gästen interagiert. Angefangen mit dem Erregen von Aufmerksamkeit für eure Leistungen, über Vertriebswege und die Leistungserbringung hin zur Pflege der Kontakte nach dem Aufenthalt. Wie erfahren eure Gäste von eurem Angebot?
Kundenbeziehungen (Customer Relationships)
Kunden erwarten je nach Angebot eine gewisse Art von Service und Umgang. Viele Tech Startups bieten Software as a Service (SaaS) im B2C Markt an, wo die Interaktion mit dem Kunden fast zu 100% automatisiert ist. Ein NFH bietet individuell anpassbare Dienstleistungen an, die eine direkte zwischenmenschliche Interaktion notwendig machen. Wie man die Kundenbeziehung gestaltet, ist ein wichtiger Bestandteil des Betriebsmodells und sollte klar definiert sein. Wie gewinnt und haltet ihr eure Kunden?
Einnahmen (Revenue Streams)
Es gibt oft mehrere Wege, um mit dem gleichen Kundennutzen Geld zu verdienen. Gerade in diesem Bereich kann man mit dem Business Model Canvas verschiedene Optionen gut durchspielen und neue Betriebsmodelle identifizieren. Einmal-Zahlungen bringen schnell Geld in die Kasse, aber Abonnent:innen versprechen kontinuierlichen Cash Flow über längere Zeit. Für das NFH gilt die Frage nach den Wiederholungsgästen. Nach diesen eher strategischen Überlegungen stellt sich hier zudem noch die Frage nach dem Preismodell. Woher kommt in diesem Betriebsmodell das Geld?
Ressourcen (Key Resources)
Besonders als NFH ist man oft auf bestimmte Ressourcen angewiesen, um die gewünschten Leistungen erbringen zu können. Welche physischen, menschlichen und finanziellen Ressourcen sind unverzichtbar?
Aktivitäten (Key Activities)
Um den Kundennutzen zu verwirklichen sind bestimmte, zentrale Tätigkeiten notwendig. Die Entwicklung einer Leistung, neuer Lösungen für Kunden oder eines Netzwerks sollten in diesen Bereich des Business Model Canvas einfließen. Was sind die wichtigsten Tätigkeiten, um dieses Betriebsmodell am Laufen zu halten?
Partnerschaften (Key Partnerships)
Je nach Betriebsmodell bietet es sich für das NFH an, eine strategische Partnerschaft mit Nicht-Konkurrenten, Lieferanten oder Service Providern einzugehen, um Risiken zu reduzieren oder Skalierbarkeit zu gewährleisten. Wer sind eure wichtigsten Partner?
Kostenstruktur (Cost Structure)
Wo umgesetzt wird entstehen auch Kosten, besonders für Schlüsselaktivitäten, Ressourcen und Partnerschaften. Mit Blick auf diese Elemente sollten die wichtigsten Kostenpunkte schnell erfasst sein. Was sind eure wichtigsten Ausgaben, ohne die das Betriebsmodell nicht laufen würde?
Schematisches Beispiel

Business-Plan
Mit dem Geschäftsmodell ist die Basis gelegt, allenfalls anlässlich einer Kreditfinanzierung über ein Finanzinstitut auch einen Business-Plan zu erstellen. Je nach Finanzinstitut sieht ein Businessplan formell anders aus.
Hilfsmittel
Unterstützung nötig?
Die Fachstelle Häuserwesen der Geschäftsstelle bietet dir gern eine kostenlose Erstberatung an. Für eine vertiefte Beratung müssen wir Kosten verrechnen, siehe Kostenpflichtige Leistungen.
