Die Naturfreunde Schweiz NFS zählen heute 108 Sektionen, wovon etwa die Hälfte ein eigenes Naturfreundehaus NFH besitzen. Die meisten heute noch existierenden NFH sind vor mehr als 60 Jahren entstanden, d.h. gebaut oder erworben und umgebaut worden. Von einmal über 100 Häusern sind inzwischen rund 30 wieder aufgegeben worden. Der ursprüngliche Hauptzweck der NFH, d.h. der Eigenbedarf der Sektionen für Ferien und Erholung für die eigenen Mitglieder, hat sich im Wandel der Zeit verflüchtigt. Die NFH-Gäste kamen zunehmend, soweit sie überhaupt gesucht und zugelassen wurden, aus NF-fremden Kreisen. In der Folge stiess die Freiwilligenarbeit der Sektionen für diese aussenstehenden Gäste an ihre Grenzen.
Altersstruktur der NFS, neues Konsumverhalten und das Fehlen des Selbsthilfebedarfs einerseits und andrerseits die Zunahme gesetzlicher Auflagen (Gewässerschutz, Hygienevorschriften, Brandschutz usw.), verlangen eine Weichenstellung im Häuserwesen der Naturfreunde. Denn sobald bei einem NFH Investitionsbedarf anfällt, kommen enorme Anforderungen auf eine ehrenamtlich und vereinsrechtlich geführte Sektion zu. Das führte schon früher, aber auch in den Veräusserungsfällen der letzten 10 Jahre, zu oftmals übereilten Verkaufsentscheiden. Oft wurde nicht über die Sinnstiftung des Hauses nachgedacht, es besteht keine Gesamtsicht hinsichtlich der Funktion des Hauses und die finanziellen Mittel für längerfristige Sanierungen sind vielerorts nicht vorhanden. Die finanzielle Tragbarkeit entscheidet jedoch massgeblich über bestehende Möglichkeiten.
Diese Entwicklung zu stoppen, bedeutet die Führung der Naturfreundehäuser zu professionalisieren. Das schliesst die ideelle, ehrenamtliche Arbeit nicht aus, bedeutet jedoch, dass auch ehrenamtlich erbrachte Leistungen professionell, d.h. fundiert, normkonform und den Erwartungen der Kundschaft entsprechend, ausgeführt werden müssen.
Angebot und Wahrnehmung von Naturfreundehäusern
Die Vielfalt der Schweizer NFH und die Individualität, der hinter einem NFH stehenden Menschen, verunmöglichen ein klares Gesamtprofil und erschweren jede Kategorisierung. Die Vielfalt kann aber als Reichhaltigkeit verstanden werden. Wer ein NFH sucht, kann aus einer Vielzahl von Qualitäten auswählen. Immerhin ist fast allen NFH etwas gemeinsam: deren Standort an ländlicher, ruhiger, oft exklusiver Lage ausserhalb von Siedlungen. Zudem befinden sich fast alle NFH unterhalb der alpinen Zone, in schönsten Naherholungsgebieten.
Die grosse Herausforderung eines Gesamtmarketings im Häuserwesen ist somit die Auffindbarkeit genau jenes NFH, welches ein Gast sucht. In diesem Gesamtrahmen muss jedem NFH die Möglichkeit geboten werden, so detailliert wie nötig, das eigene Profil darzustellen.
Das Wahrnehmungsziel, d.h. die Botschaft des Häuserwesens ist: «In der grossen Vielfalt findest du, Gast, was dir Freude bereitet.»
Die Leistungen im Hintergrund eines NFH
Hintergrundsleistungen, die eine längerfristige Führung eines NFH überhaupt erst ermöglichen, werden heute schon von allen Häuserverantwortlichen erbracht, auch wenn dies in unterschiedlicher Weise geschieht. Wenn für ein Haus alle diese Bereiche ausreichend ausgeleuchtet und die Massnahmen definiert sind, ist die Grundlage für den Betrieb gelegt. Zur Analyse und Optimierung dieser Leistungen hat sich aus betriebswirtschaftlicher Sicht die Einteilung in 4 Bereiche (Mensch, Markt, Prozesse, Geld), ergänzt um die Bau- und Sanierungsarbeiten, bewährt.

Faktor Mensch
Der Wandel von der Selbstnutzung zur Fremdnutzung ist die grösste Herausforderung an eine ehrenamtliche Trägerschaft. Ein Haus kann am „Markt“ nur das bieten, was die Menschen, die das Haus führen, physisch und mental zu leisten in der Lage und willens sind.
Jede Sektion bzw. Trägerschaft muss sich vor allem über den Faktor Mensch Rechenschaft geben und personell ihre tatsächlichen, d.h. nicht nur die wünschbaren, Möglichkeiten ausloten.
Faktor Markt
„Markt“ ist ein externer und objektiver Faktor, der aber von den Verantwortlichen subjektiv und somit auch selektiv wahrgenommen wird.
Die Erfolgs- oder die Misserfolgsgeschichte am Markt kann analysiert und mit geeigneten Mitteln (Marketing) gesteuert werden.
Faktor Prozesse
Vom Empfang bis zur Verabschiedung des Gastes, von der Werbung bis zum Unterhalt des Hauses, von der Projektierung bis zur Realisierung von baulichen Massnahmen, überall laufen bewusst oder unbewusst Prozesse ab.
Diese Prozesse können analysiert und optimiert, oft auch vereinfacht werden.
Faktor Geld
Selbst ein vollständig ehrenamtlich geführtes NFH benötigt Geld (Risikokapital): u.a. für Versicherungen, Steuern, Kurtaxen, Unterhalt, Werbung. Bei eigentlichen Bauprojekten erhöhen sich die Risiken sprunghaft, können aber ebenso gut wie beim Normalbetrieb unter Kontrolle gehalten werden.
Über das Geld muss Transparenz herrschen. Sei es, um zu wissen, wo man steht, für regulatorische Reportings (z.B. AHV Abrechnungen, MwSt., Steuern, usw.) und zum Selbstschutz vor Organhaftungsansprüchen.
Mit dem Betrieb eines NFH sind finanzielle Risiken verbunden, die analysiert und minimiert werden können. Eine klug geführte Buchhaltung unterstützt die Entscheidungsfindung und die korrekte Erfüllung der Regularien.
Zentral abrufbare Leistungen im Häuserwesen
Die Summe der Naturfreundehäuser alleine ist noch nicht das Häuserwesen insgesamt. Die zentralen Funktionen des Häuserwesens sind:
- ein Rahmenmarketing, das den einzelnen NFH individuelle Werbemöglichkeiten bietet;
- Vorhalteleistungen in den fünf Bereichen Mensch, Markt, Prozesse, Geld und Infrastruktur, aus denen NFH-Sektionen Leistung beziehen können. Grundleistungen sind dabei kollektiv über den jährlichen Häuserbeitrag an den Landesverband finanziert, individuelle Leistungen gegen massvolle Entschädigungen;
- Integration der NFH in die übrige Tätigkeit des Landesverbandes (z.B. Outdoor Aktivitäten).
Es werden nur Leistungen angeboten, welche auf Bedürfnissen basieren. Zu diesem Zweck ermittelt der Landesverband regelmässig die Bedürfnisse der Häusersektionen. Dies erfolgt einerseits durch gemeinsame Erfahrungsaustausche und individuellen Gesprächen mit Häuserverantwortlichen in den Trägerschaften.
Vorhandenes Fachwissen bei den Trägerschaften soll bestmöglich eingebracht werden, damit es der Gesamtheit der Häuser zur Verfügung stehen kann.
Prozess der angebotenen Leistung

- Entsprechend dem Grundsatz, dass nur nachgefragte Leistungen entwickelt werden, beginnt der Prozess mit der Erhebung der Bedürfnisse. Das kann im allgemeinen (DV, Workshop mit Häusern) oder auch im spezifischen Austausch (Nachfrage durch Häuser, Direktkontakt mit Häusern) geschehen.
- Der Vorstand beurteilt die Notwendigkeit der Leistung und entscheidet aufgrund der vorhandenen Ressourcenlage, ob die Leistung angeboten werden soll. Er beurteilt dabei auch die Umsetzungsfristen (kurz, mittel, lang).
- Zusätzliche Leistungen können beim Landesverband eingekauft oder aber mit vorhandenen Ressourcen selbst erstellt werden. Vorhandene Leistungen von NFH werden so angepasst, dass sie für einen Grossteil der NFH genutzt werden können. Der Vorstand entscheidet darüber, wie die Leistung umgesetzt wird und wer hierüber die Verantwortung trägt für Entwicklung, Unterhalt und Beratung.
- Bevor eine neue Leistung angeboten wird, durchläuft sie eine Qualitätskontrolle durch eine bei der Erstellung nicht involvierte Person innerhalb des Häuserwesens. Das kann ein Vorstandsmitglied sein, Mitarbeitende der Geschäftsstelle oder auch Häuserverantwortliche der NFH.
- Die erstellte und auf Qualität kontrollierte Leistung wird über die üblichen Kommunikationskanäle beworben und im persönlichen Gespräch mit interessierten Trägerschaften vertieft erklärt.
- Der Leistungsbezug wird von der Geschäftsstelle NFS koordiniert. Dies beinhaltet auch ein Monitoring, das aufzeigt, welche Leistungen in welchem Umfang nachgefragt werden.
- Periodisch werden Leistungen auf ihre Notwendigkeit und Aktualität überprüft und gegebenenfalls angepasst.
Nutzen und Mitwirkung
Der Nutzen für die NFH entsteht insbesondere durch die Zusammenarbeit aller Häuser im Sinne eines Gebens und Nehmens. Der Gesamtnutzen für die NFH entsteht ebenso durch die Verpflichtung der NFH zu bestimmtem Verhalten:
| Nutzen für die NFH | Gewünschte Mitwirkung durch die NFH |
| Grundleistungen (enthalten in der Häuserabgabe) Die Gewichtung einzelner Leistungen entscheidet darüber, ob sie in der Häuserabgabe eingeschlossen oder separat kostenpflichtig sind. | Einheitliches Auftreten und Kommunikation (Internet, Mailadressen, Werbematerial, etc.) |
| Bezug von Zusatzleistungen mit Kostenfolge Leistungen durch die Geschäftsstelle werden zu Selbstkosten angeboten. Leistungen durch Dritte werden in der direkten Verhandlung angeboten. | Teilnahme an Schulungs- und Weiterbildungskursen |
| Erarbeitung und Förderung gemeinsamer Themen im Erfahrungsaustausch | Mitwirken in der gemeinsamen Entwicklung des Häuserwesens |
| Mitnutzung des Verbandslabels gemäss Markenreglement | Gewährleistung Versicherungsschutz: Gebäude, Installationen, Personen, Arbeitsleistungen der Mitglieder |
| Einhalten von Sicherheitsvorkehrungen, vorbereiten von Sicherheitsmassnahmen, und –dispositiven und damit aktiv den Schutz der Gäste sicherstellen | |
| Einhaltung gesetzlicher Vorschriften (Hygiene, MwSt., Ökologie, Arbeitsrecht, etc.) und damit Schutz des guten Rufs | |
| Weiterentwicklung zur Nachhaltigkeit (Infrastruktur, Betrieb) |
Organisation des Häuserwesens
Das Häuserwesen der Naturfreunde Schweiz organisiert sich gemäss den Statuten des Landesverbandes und dem Häuserreglement.
Gültigkeit
Organisation und Leistungen im Häuserwesen betreffen sämtliche Häuser der Naturfreunde. Ungeachtet
- ob gemietet oder im Besitz/Eigentum einer Trägerschaft
- der Trägerschaft selber, also Sektionen, Hausgemeinschaften, Verbände, Naturfreundehaeuser AG
- der durch das Haus angebotenen Leistungen, mögen diese noch so unterschiedlich sein.
