Velofahren

Velotouren mit Kindern

Das Abenteuer ist garantiert, wenn Erwachsene mit Kindern oder Jugendlichen eine Velotour unternehmen. Worauf ist dabei im Kern zu achten? Fest steht auf alle Fälle, dass unvergessliche Erinnerungen bleiben werden.

Foto: Unsplash, Mark Stosberg

Das Wichtigste steht im ersten Satz: «Safety first». Die Sicherheit zu garantieren steht im Zentrum, wenn man mit Kindern ein Veloabenteuer in Angriff nehmen will. Doch wie kann dies bewerkstelligt werden? Der Verkehr ist doch unberechenbar, und man kann doch nicht gänzlich Touren abseits von Verkehrsströmen durchführen? Wir haben drei Haupttipps zusammengestellt, dank derer das Hauptziel erreicht werden kann: Das Radabenteuer soll für alle Beteiligten ein schönes und unvergessliches Erlebnis sein. Erster Tipp: die Planung. Es lohnt sich, genügend Zeit in die minutiöse Planung einer Radtour mit Kindern zu investieren. Die Eltern oder anderen erwachsenen Begleitpersonen können die Tour rekognoszieren. Dabei kann neben dem Studium von Kartenmaterial auch auf Bücher zurückgegriffen werden, die kindergerechte Routen beschreiben. Im kürzlich erschienenen Buch «Veloland Bern» gibt es beispielsweise eine Übersichtstabelle von allen 35 im Detail beschriebenen Touren, sodass man schnell eine Übersicht erhält und weiss, wie hoch der Schwierigkeitsgrad einer Tour ist. Es muss jedoch nicht nur die Tour auf dem Rad geplant werden. Fabian Baumann, Redaktor beim Fachmagazin Velojournal, erwähnt noch einen weiteren wichtigen Aspekt: «Es ist wichtig, immer wieder Pausen zu machen mit den Kindern. Und dies ist bereits bei der Planung zu berücksichtigen.» Was heisst das konkret? «Sinnvolle Pausen sind beispielsweise auf einem Spielplatz möglich, denn dort können sich Kinder, die beispielsweise im Kindersitz die Tour mitmachen, austoben.»

Der Velotourenführer «Veloland Bern» lädt mit seinen 35 Touren dazu ein, auf dem Velo oder E-Bike den Kanton Bern und seine schönsten Ecken zu entdecken. Langjährige Befahrerinnen und Befahrer für Pro Velo Kanton Bern führen die Leser und Leserinnen auf ihren Lieblingsstrecken in die Höhen des Juras auf den Mont Soleil, auf der Herzschlaufe Sense den rauschenden Flüssen entlang, auf rasanter Abfahrt von Kandersteg nach Thun, zum Baden ins Land der drei Seen oder in den Hügu-Himmu des Emmentals. Die Tagestouren verlaufen auf den schönsten Abschnitten des im Kanton Bern über tausend Kilometer langen signalisierten Velolandnetzes. Alle Anfangs- und Zielorte der Rund- und Streckentouren sind mit dem öffentlichen Verkehr erreichbar. Informative Karten und Streckenprofile und viele Zusatzinfos zu Highlights, Übernachtung und Verpflegung auf der Strecke machen die Planung und das Unterwegssein zu einem Kinderspiel. Apropos Kinderspiel: Die Familientouren bieten viel Überraschendes für alle Familienmitglieder und sind für Kinder und mit Kindern ein Vergnügen.

Veloland Bern
Pro Velo Kanton Bern (Hg.)
312 Seiten; 39 CHF
Weber Verlag, Thun, 2022
ISBN 978-3-03922-100-4

Zweifellos lohnt es sich zudem, in der Planungsphase eine Checkliste zu erstellen, sodass man stets die Übersicht hat über das bevorstehende Radabenteuer. Das Online-Magazin owayo.ch thematisiert in einem Beitrag ausführlich das Thema «Radtouren mit Kindern». In der Einleitung steht das Wichtigste: «Sie planen eine Radtour mit Kindern? Dann müssen Sie an einiges denken.» Fürwahr, das stimmt zweifellos. Auch die Webseite familie.de hat einen umfassenden Beitrag über «Fahrradurlaub mit Kindern» verfasst und zahlreiche Tipps zusammengetragen. Darin wird ebenfalls erwähnt, dass eine Planung das A und O einer Radtour ist, wobei man trotz Planung flexibel bleiben soll, denn wenn das Wetter nicht mitspielt, gilt es zu improvisieren. Die Improvisation gelingt jedoch besser, wenn alles andere – so weit wie möglich – im Vorfeld geplant wurde.

Der «Velo-Knigge» vom Bundesamt für Strassen (ASTRA) soll an den partnerschaftlichen Umgang auf der Strasse erinnern, so wie es der Knigge im Gesellschaftlichen tut. Gegenseitiger Respekt und Toleranz auf der Strasse sind umso wichtiger, da bei den Velos und E-Bikes die Zahl der schwer verunfallten Menschen seit Jahren am Steigen ist. Ein defensives, rücksichtsvolles Verhalten aller Verkehrsteilnehmenden und das Befolgen der Verkehrsregeln kann einen wesentlichen Beitrag zum Stressabbau und zur Verbesserung der Verkehrssicherheit leisten.

Der «Velo-Knigge» ist kostenlos als PDF downloadbar und umfasst 23 Seiten. Auf den Seiten 17 und 18 werden die Thematiken «Kinder und Velos» und «Mitführen von Kindern» kurz und informativ behandelt. Da steht zum Beispiel, dass Kinder unter 12 Jahren auf dem Trottoir Velo fahren dürfen, sofern kein Radweg oder Radstreifen vorhanden ist. Sie müssen dabei auf die Fussgängerinnen und Fussgänger Rücksicht nehmen und diesen stets den Vortritt lassen. Die Erwachsenen dürfen jedoch nicht zusammen mit den Kindern auf dem Trottoir fahren.

Nicht beim Material sparen

Zweiter Tipp: Step-by-Step-Strategie. Schritt für Schritt soll man sich dem Radabenteuer mit Kindern annähern. Im Vorfeld sollte sich das Kind auf dem Kinderfahrrad Fertigkeiten aneignen können – zum Beispiel auf dem Kinderspielplatz ein paar Runden um den Spielturm drehen. Später kann es auf dem Weg zur Schule weitere wertvolle Erfahrungen mit dem Rad sammeln, sodass der Erfahrungsschatz täglich grösser wird. Der «Velorucksack» wird somit gefüllt. Und die Erwachsenen werden optimalerweise ihrer Rolle als Vorbilder gerecht und benützen das Rad nicht nur bei Sonnenschein. So ist das Velofahren tagtäglich im Alltag eingebunden und Schritt für Schritt nähert man sich dem grossen Abenteuer, das einen dann aus der gewohnten Umgebung hinausführt.

Im Magazin Fahrtwind von Veloplus ist in der Frühlingsausgabe 2022 beispielsweise ein Familienabenteuer beschrieben worden, bei dem ein Ehepaar mit ihren zwei Kindern durch Südeuropa geradelt ist. Die Reise mit den zwei Jungs dauerte drei Monate und umfasste 3200 Kilometer. Dazu die Eltern der Buben: «Die Bedenken und Unsicherheiten zu Beginn sind entlang des Weges liegen geblieben. Die Schweissperlen sind getrocknet und zurück bleiben die Glücksgefühle, all die guten Erinnerungen und das gemeinsam Erlebte.» Und dieses Glücksgefühl gilt es langsam zu erarbeiten. Im Italienischen gibt es die Redewendung: «Chi va piano, va sano, va lontano.» Wer langsam geht, geht gesund und geht weit. Es beginnt mit dem ersten Schritt, der ersten Pedalumdrehung, die Spass machen sollte.

Die Informationsplattform schule+velo für mehr Velo an Schulen bietet ein umfangreiches Angebot an, damit Kinder und Jugendliche mehr Velo fahren und neben dem Spass auch an Sicherheit gewinnen. Ein kurzer Leitfaden zeigt auf, wie Schulen velofreundlich werden können. Die Informationsplattform bietet aber noch mehr, da zahlreiche Tipps gegeben werden, sodass neben den Lehrkräften auch Erwachsene bei Velotouren mit Kindern optimal vorbereitet sind. Hinzu kommt noch, dass schule+velo auch mit externen Stellen verlinkt ist (zum Beispiel bfu und TCS), sodass ein ungemein umfangreicher Veloschatz an Materialien zur Verfügung steht. An dieser Stelle seien stichwortartig ein paar Links erwähnt, sodass man schnell erkennt, wie wertvoll die Drehscheibe schule+velo ist:

  • Die Hauptseite der Informationsplattform schule+velo
  • Der Leitfaden als PDF für Schulen, die velofreundlicher werden wollen
  • Schulweg – mit oder ohne Velo? Diese Frage lässt sich nicht so schnell beantworten. Infos und Tipps sind auf der Plattform.
  • Um mehr Velo an die Schule zu bringen ist es wichtig, dass alle Betroffenen – Gemeinden, Schulen, Eltern – am selben Strick ziehen und zusammenarbeiten. Ein Ding der Unmöglichkeit? Die Plattform löst mit konkreten Vorschlägen den Gordischen Knoten.
  • Broschüren und Material zur Verkehrssicherheit und -erziehung.
  • Safety Tools – der Veloausflug muss «safe» sein. Wie lässt sich dies bewerkstelligen? Die Beratungsstelle für Unfallverhütung (bfu) gibt Tipps und ist mit der Informationsplattform schule+velo verlinkt.
  • Weelo App – Verkehrssicherheits-Lernspiel. Weelo ist eine kostenlose App für Acht- bis Zwölfjährige. Im Kern geht es um einen Ausserirdischen, der mit dem Velo Abenteuer bestehen muss und Verkehrsregeln kennenlernt. Der Touring Club Schweiz ist Entwickler dieser App und präsentiert sie in einem kurzen Video auf YouTube:

Dritter Tipp: das Material. Sparen Sie bitte keinen Rappen. Die Qualität – es darf ruhig Swiss Made sein – ist zentral. Und dies gilt selbstverständlich sowohl für die Fahrräder als auch für die Kleider. Aber auch für alles «Nebensächliche». Das Zelt, der Kocher, die Fotoausrüstung, das Kartenmaterial, die Ernährung, die Sonnencreme, die Kinderhelme, das Reparaturset und noch vieles mehr. Sie sparen viel Zeit, Geld und Nerven, wenn weniger repariert werden muss auf der Radtour. Das heisst aber auch: Sie investieren in die Zukunft und können das unvergessliche Radabenteuer wiederholen und auf Erfahrungen und Materialien zurückgreifen, die ein unvergessliches Radabenteuer ermöglichen. Viel Spass und Glück!

Die Website SchweizMobil hat bei der Routen-Rubrik «Ausgewählte Velorouten» unter anderem auch 12 Familien-Velotouren beschrieben. Es wird ein «Rundum-Service» für die Leserinnen und Leser angeboten. Er reicht von einer Foto-Reportage über das Höhenprofil bis zu Sehenswürdigkeiten und Übernachtungsmöglichkeiten. Nur das Wichtigste sei an dieser Stelle zusammengefasst.

Mittelland-Route

Romanshorn–Lausanne, 375 km, 7 Etappen
Die gemütliche Velofahrt auf der vielfältigen Mittelland-Route verläuft auf zumeist motorfahrzeugfreien Wegen, entlang von Seen und Flüssen, durch weite Ebenen und stille Täler, Städte und Dörfer, Industrie und Landwirtschaft.

Foto: SchweizMobil
Foto: SchweizMobil

Familientour Rhone

Bex–Villeneuve, 27 km, 1 Etappe
Vom Salzbergwerk zu den schnaubenden Dampfloks und gefährlichen Piratenschiffen. Auf dem ruhigen Rhonedamm durch den Gemüsegarten des Chablais, vorbei an Rebbergen und den Vergnügungsparks von Le Bouveret zum schilfbestandenen Delta am Genfersee.

Familientour Churer Rheintal

Chur–Bad Ragaz, 26 km, 1 Etappe
Von der ältesten Stadt der Schweiz entlang des Calanda-Massivs und durch die sonnenverwöhnten Rebberge der Bündner Herrschaft und Heidis Heimat zu den Wohlfühl-Oasen in Bad Ragaz.

Foto: SchweizMobil
Foto: SchweizMobil

Familientour Bodensee

Rorschach–Romanshorn, 16 km, 1 Etappe
Vom sankt-gallischen Hafen- und Warenumschlagplatz Rorschach durch die liebliche Landschaft mit dem milden Klima und den vielseitigen Wassersport- und sonstigen Freizeitmöglichkeiten nach Romanshorn und mit der langen Fährverbindung nach Friedrichshafen.

Familientour Aare

Biel (Nidau) –Solothurn, 33 km, 1 Etappe
Diese leichte, familienfreundliche Tour entlang des Jurasüdfusses bietet Kultur in Biel und Solothurn, kombiniert mit viel Natur entlang der Aare. Ein faszinierendes Kontrastprogramm mit barocken Kirchen einerseits und einer mäandrierenden Aare, Feldhasen und Störchen andererseits.

Foto: SchweizMobil
Foto: SchweizMobil

Famillientour Linthebene–Zürichsee

Niederurnen (Ziegelbrücke)–Rapperswil, 27 km, 1 Etappe
Vom Glarner Eingangsportal durch die meliorierte Acker- und Rietlandschaft der Linthebene, dann entlang dem schilfbekränzten Obersee mit Aussicht auf die Glarner Alpen bis ins südlich anmutende Rapperswil.

Familientour Emmental

Trubschachen–Burgdorf, 29 km, 1 Etappe
Das Emmental ist ein fein gegliedertes System von 170 Tälern und Hügelzügen. Man folgt der Emme, begleitet von stolzen Bauernhäusern mit tief heruntergezogenen Walmdächern von der Kambly-Guetzli-Fabrik in Trubschachen bis zur Kleinstadt Burgdorf am Tor zum Emmental.

Foto: SchweizMobil
Foto: SchweizMobil

Familientour Magadino-Ebene

Bellinzona–Locarno, 22 km, 1 Etappe
Die Magadino-Ebene links und rechts des Flusses Ticino ist einer der grossen Gemüsegärten der Schweiz. Sie verbindet zwei touristische Perlen: die geschichtsträchtige Tessiner Hauptstadt Bellinzona und das mit südländischem Charme, mediterranem Klima und subtropischer Vegetation ausgestattete Locarno am Lago Maggiore.

Familientour Grosses Moos

Murten–Aarberg, 26 km, 1 Etappe
Die Route durchquert das Grosse Moos, das nach den Gewässerkorrektionen zu einem der wichtigsten Gemüse-Anbaugebieten der Schweiz wurde. Murten mit dem See, Kerzers mit dem Papiliorama und Aarberg mit seinem Städtchen bieten interessante Abwechslungen.

Foto: SchweizMobil
Foto: SchweizMobil

Familientour Schwyz

Schwyz–Arth–Goldau, 9 km, 1 Etappe
Vom Rande der lebendigen Kleinstadt Schwyz, welche die Gründungsurkunden der Schweizerischen Eidgenossenschaft beheimatet, entlang des lieblichen Lauerzersees durch die wilden Steinblöcke des Goldauer Bergsturzes zu den Bären und Hirschen des Tierparks Goldau.

Familientour Töss

Turbenthal–Winterthur, 20 km, 1 Etappe
Das obere Tösstal mit seinen grünen Ufern und sanften Hügeln wimmelt an schönen Tagen von Gümmelern, Familien sowie Seniorinnen und Senioren mit E-Bikes. Oft verläuft die Route auf einem asphaltierten Flurweg weit ab der Strasse und im Schatten des Waldes.

Foto: SchweizMobil
Foto: SchweizMobil

Familientour Sihlwald

Sihlwald–Zürich, 15 km, 1 Etappe
Vom Sihlwald, wo sich Fuchs und Hase gute Nacht sagen oder im Wildnispark beobachtet werden können, schlängelnd entlang der Sihl bis ins Zentrum der Wirtschaftsmetropole Zürich.

Autor:in

Graziano Orsi

Graziano Orsi ist 55 Jahre alt und seit 2021 Mitglied der Naturfreunde. Er ist neben seiner Haupttätigkeit als Lehrer auch im Journalismus tätig. Ein Hobby pflegt er besonders: das Reisen – mit oder ohne Velo. Ein unvergessliches Radabenteuer: Mit drei Schülern und zwei erwachsenen Personen ist er von Zürich nach Paris geradelt.

Mehr zum Thema Sport:

Nach oben